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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE 1975 :::

August 1975
Gottesdienstskizze

DIE GEMEINDE ALS DIAKON

INHALT
Die Gemeinde soll sich in ihrer Gesamtheit und von jedem einzelnen Mitglied her als Diakon, als Diener (Dienerin) verstehen. Es ist ein wesentlicher Auftrag für die christliche Gemeinschaft.

Predigt

Einführung:

Sprechen, helfen, feiern.
Hieraus besteht das Leben einer Gemeinde. Sprechen steht für die Verkündigung. Helfen für die Caritas, bzw. Diakonie. Und feiern für den Gottesdienst.
Ist die Gemeinde stumm, bleiben ihre Hände untätig, oder vermag sie sich nicht zu freuen, so ist sie nicht lebensfähig.
Sprechen – helfen und feiern kann die Gemeinde nur, wenn sich genügend Gemeindeglieder rückhaltlos und mit aller Eigenverantwortung daran beteiligen. Das gilt nicht zuletzt für den weiten Bereich karitativer und sozialer Dienste. Darum geht es im heutigen Gottesdienst, in dem die Gemeinde sich als Diakon – als Diener – der Menschen sehen soll.

Bußakt:

Unser Bischof hat 1974 einen Brief an die Gemeinden geschrieben. Daraus sei zur Anfangsbesinnung eine Stelle vorgelesen:

  • „Eine Gemeinde, die ihre ganze Kraft und Energie für ihre eigenen Probleme verbraucht, oder Kirchturmpolitik betreibt, muß sich fragen lassen, wie weit sie den Geist Jesu verstanden hat.“ (Pause)
  • „Sie muß sich fragen lassen, ob sie eine Quelle der Hoffnung ist.“ (Pause)
  • „Finden die Menschen bei ihr das, was das Wirken Jesu und das Bild der ersten Gemeinden so anziehend machte?“ (Pause)
  • „An diesen Fragen kann und muß eine christliche Gemeinde prüfen, wie es um ihren Glauben steht.“ (Kyrie – Rufe)

Tagesgebet: (zur Auswahl)

HERR, UNSER GOTT
Junge und alte Menschen,
einfache und kluge,
erfolgreiche und solche, die sich schwertun,
hast du hier zusammengeführt als deine Gemeinde. Gib einem jeden
etwas von deinem guten, heiligen Geist,
damit wir dich und uns selbst und einander besser verstehen und vorankommen auf dem Weg,
auf den du uns miteinander gestellt hast. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus.
(Meßbuch Teil II, S. 310)

GOTT, UNSER VATER.
Bedrückt vom Elend unserer Zeit,
kommen wir zu dir.
Sieh auf die Not und Hilflosigkeit so vieler Menschen. Laß sie an ihrem Schicksal nicht zerbrechen.
Stärke unter uns
das Bewußtsein der Verantwortung füreinander,
damit wir anfangen,
brüderlich zu teilen und einander beizustehen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(II, S. 310)

GOTT, UNSER SCHÖPFER.
Die Gegensätze in der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluß,
Sorglosigkeit und Leid stehen gegeneinander.
Hilf du uns allen, daß wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen, und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(II, S. 313)

Gabengebet: (zur Auswahl)

HEILIGER GOTT,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(II, S. 299)

GOTT,
Dein Sohn ist zu uns gekommen,
nicht um sich bedienen zu lassen,
sondern um zu dienen.
Gib, daß wir von ihm lernen,
wie wir leben sollen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
(II, S. 307)

Schlußgebet: (zur Auswahl)

BARMHERZIGER GOTT,
wir haben von dem einen Brot gegessen,
das uns himmliches Leben schenkt.
Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe
und laß uns eins werden in Gesinnung und Tat.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
(II, S. 1083)

BARMHERZIGER GOTT,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfen uns, daß wir
in der Liebe zu dir und unseren Brüdern,
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
(II, S. 300)

Fürbitten:

GOTT, VATER ALLER MENSCHEN,
wir haben uns an einem Tisch eingefunden,
den Du zum Wohle der Menschheit gedeckt hast.
So bitten wir heute:

  • Für die Weltkirche,
    sie geht auf Deinen Diener Jesus Christus zurück;
    Laß sie daher überall nur durch dienen „herrschen“!
  • Für die Bistumskirche,
    sie verfügt über große Hilfsmittel jeglicher Art;
    Laß sie neue Maßstäbe finden, daß die Leidenden nicht zu kurz kommen:
  • Für unsere Gemeinde,
    sie ist Dein Geschenk an die Bedrückten;
    Laß sie eine sprudelnde Quelle der Hoffnung und Freude sein!
  • Für die einzelnen Mitglieder der Gemeinde,
    jedes ist von Dir, nicht von uns erwählt;
    Verhindere, daß sich jemand von uns zurückgewiesen fühlt, wenn er Deinem unwiderstehlichen Ruf zum Dienen entsprechen will!
  • Für alle in Bedrängnis Geratenen,
    Keiner ist von Dir abgeschrieben;
    Sie sollen am Tisch der Gemeinde bevorzugt behandelt werden!
  • Für unsere Toten,
    die weiterhin zu uns zählen;
    Laß ihre besten Taten in unserer Tischgemeinschaft nicht in Vergessenheit geraten!

VATER- GOTT,
Du wirst sicher aus uns hören;
Dein Sohn ist unter uns als der, der dient,
und als der, der des Dienstes bedarf
– AMEN –

Predigt:

DIE GEMEINDE ALS DIAKON

  1. Wer von der Verantwortung der Gemeinde spricht, begründet sie gern und zu recht mit dem allgemeinen Priestertum der Gläubigen. Das ist mittlerweile ein geläufiger Begriff. Niemand aber spricht vom allgemeinen Diakonat obwohl das durchaus gerechtfertigt ist; denn nimmt ein Christ teil am Priestersein Christi, dann nimmt er auch teil an dem, was man seinen Diakonat nennen könnte.

    Diakonat heißt Dienst. Und als Dienst hat Jesus sein ganzes Leben und Wirken aufgefasst, wie es sein Wort zeigt: „Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (Mk. 10,40). Kurz zuvor heißt es im Text: „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener“, oder ganz wörtlich übersetzt: „euer Diakon“. Es sind sehr schlichte Worte, mit denen Jesus seine Aufgabe und damit auch die Aufgabe eines Christen umschreibt: Diener sein – Diener der Menschen.

    Im Sinne dieses Dienstes war die gute Versorgung der ärmeren Gemeindeglieder für die frühen Gemeinden besonders kennzeichnend. Hierzu trugen alle bei, die etwas abzugeben hatten. Die Verteilung über nahmen Diakone – eine Art Kellner – sie hatten besonders darauf zu achten, daß niemand benachteiligt wurde, vor allem nicht die „Zugereisten“ gegenüber den „Einheimischen“. Daß den Menschen, die sich nicht selbst behaupten können, die vielleicht auf der Schattenseite des Lebens stehen, der Tisch reichlich gedeckt ist, dafür hat die Gemeinde zu sorgen.
    Diese Aufgabe kann ihr niemand abnehmen, auch wenn sie eine besondere „Bedienung“ einrichtet.

  2. Natürlich geht es nicht so sehr darum, Cornedbeef und Milchpulver und vielleicht auch an Weihnachten einen Christstollen an wenig begüterte Rentner zu verteilen.
    Wie umfassend die Diakonie der Gemeinde ist, sagte der eingangs bereits zitierte Bischofsbrief:
    „Die Gemeinde der Zukunft wird sich in der Nachfolge Jesu vor allem denen zuwenden, die mit sich und anderen nicht zurechtkommen und in Schwierigkeiten sind.“

    Im Einzelnen werden aufgeführt, Alte und kranke Menschen, Isolierte, straffällig Gewordene, Drogenabhängige, ledige Mütter, schließlich Eltern, die mit der Erziehung ihrer Kinder Schwierigkeiten haben.
    Überhaupt wird ein entscheidender Beitrag der Gemeinde darin gesehen, bedrückten und leidenden Menschen zu helfen, mit ihrem Schicksal fertig zu werden.
    Die dienende Zuwendung zu all diesen Personengruppen, und vielleicht werden wir auch einmal dazugehören, ist Sache aller, die sich bewußt zur Gemeinde zählen.

    Wer sich in unserer Gemeinde genau auskennte, wäre sicher erstaunt nicht nur darüber, was an Zuwendung dieser Art unterbleibt, sondern wie groß das Ausmaß der ungenannten und unbekannten gegenseitigen Hilfe, Unterstützung, Ermunterung, Tröstung, Friedensstiftung, Heilung und Vergebung ist.
    Je stärker in einer Pfarrei das Klima freundlich-partnerschaftlicher Begegnung gepflegt wird, umso eher entfalten sich die Kräfte des Dienens und Helfens.
    Es sind Einzelne, die sich einsetzen, es sind Gruppen, die sich zusammenfinden. Es gibt in der Pfarrei eine organisierte Caritas, aber es gäbe noch so viel darüber hinaus zu tun. Ein Pfarrgemeinderat darf davon ausgehen, daß noch mehr Gemeindeglieder bereit sind, eine bestimmte, möglichst umgrenzte Aufgabe zu übernehmen.

  3. Viele trauen sich aber nicht, sich hierfür anzubieten. Sie zählen sich vielleicht nicht zu den Aktiven, fühlen sich am Rand der Gemeinde stehend; sind erst seit kurzem in der Pfarrei wohnhaft; gehen nicht regelmäßig zum Gottesdienst; haben politische Auffassungen, die mit denen der Mehrheit in der Gemeinde nicht übereinstimmen; warten darauf, angesprochen zu werden; können sich nur für ein paar Stunden in der Woche freimachen u.ä.

    Es ist gar nicht einmal Aufgabe des Pfarrgemeinderates nun selbst alle Aktivitäten im karitativ-sozialen Bereich in die Hand zu nehmen; er darf sich auch nicht dafür zuständig erachten, vorhandenen Gruppierungen oder solchen, die sich zu bilden versuchen, Vorschriften zu machen.
    Wohl ist es seine Aufgabe, anzuregen, zu fördern, mit allen Einsatzbereiten Verbindung zu halten und die verschiedenen Aktivitäten möglichst gut aufeinander hin zu ordnen. Dabei hat niemand in der Pfarrei ein Monopol des Helfens; auch keine noch so verdienstvolle Helfergruppe.
    So kommt jedem in der Gemeinde nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht zu, nach seinen Möglichkeiten und in seiner Art Hilfe zu leisten; sich der Gruppe seiner Wahl anzuschließen; allein zu bleiben, oder eine spezielle Gruppierung zu bilden, die sich eine neue Aufgabe stellt.

    Die Wahl eines Pfarrgemeinderates ist immer eine Chance, wieder Phantasie zu entwickeln und neue Ansätze zu wagen. Die Wahl ist kein Ersatz für den notwendigen Einsatz einer Gemeinde, die sich als Diakon der Menschen versteht.

Apostelgeschichte 6,1-6

1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.

Markus 10, 42-45

42 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.
43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.


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