PRO ASYL Presseerklärung | Press Release
May 31, 1999
Dringender Appell an das Bundesinnenministerium:
Das Rückübernahmeabkommen zwischen Deutschland und Algerien muß annulliert werden!
- Dringender Appell an das Bundesinnenministerium: Das Rückübernahmeabkommen zwischen Deutschland und Algerien muß annulliert werden!
Algerische Polizisten übernehmen „schmutzige“ Arbeit auf deutschen Flughäfen. -
Pressing appeal to the Federal Ministry of the Interior: The readmission agreement between Germany and Algeria has to be cancelled!
Algerian police officers take over „dirty“ job at German airports.
RESSOURCEN
Neue Abschiebepraxis verurteilt – Frankfurter Rundschau vom 01.06.1999
Ab 1. Juni 1999 soll algerisches Sicherheitspersonal die Abschiebungen abgelehnter algerischer Asylbewerber von Deutschland aus durchführen.
Die deutsche Regierung bereitet Massenabschiebungen nach Algerien vor.
Seit Jahren werden Abschiebungen nach Algerien vorgenommen, obwohl bekannt ist, daß die Menschenrechtssituation dort katastrophal ist.
Angesichts der deutschen Asylrechtsprechung gegenüber algerischen Asylbewerbern (nicht mehr als 1,7% der Asylanträge werden positiv beschieden) ist zu befürchten, daß in Zukunft zahlreiche Oppositionelle und Deserteure nach Algerien abgeschoben werden, die dort Gefahr laufen zu „verschwinden“, willkürlich in Haft genommen, gefoltert oder getötet zu werden.
1997 unterzeichneten die algerische und deutsche Regierung ein Rückübernahmeabkommen, das jetzt seine „praktische Anwendung“ finden soll: Über 7.000 Algerierinnen und Algerier, darunter auch Familien, sind von diesen bevorstehenden Abschiebungen betroffen.
Die „Identifizierung“ der abzuschiebenden Flüchtlinge ist bereits durch eine effektive Zusammenarbeit zwischen den deutschen Behörden und dem algerischen Generalkonsulat seit vielen Jahren erprobt worden, jetzt sollen die Abschiebungen im großen Maßstab erfolgen.
Damit diese Abschiebungen reibungslos verlaufen, wird die „schmutzige“ Arbeit algerischen Polizisten überlassen, die wissen, wie sie „Renitente“ anzupacken haben.
In einer ersten Phase sollen bis zu 30 Flüchtlinge pro Flug abgeschoben werden, doch bereits jetzt wird über Charterflüge verhandelt.
Wir (PRO ASYL und Algeria Watch e.V.) protestieren gegen diese Abschiebungen in einen Staat, der sich durch massive Menschenrechtsverletzungen auszeichnet.
Wir fordern die Annullierung des Rückübernahmeabkommens zwischen der deutschen und der algerischen Regierung.
Salima Mellah, algeria watch e.V.
Heiko Kauffmann, PRO ASYL
Supporters and supporting agencies
Folgende Personen und Organisationen unterstützen den Appell:
Deutschland/Germany
- Christliche Flüchtlingshilfe, Rheinbreitbach
- Migration, Ausländer und Deutsche auf gemeinsamem Weg, Rheinbreitbach
- Connection e.V., Offenbach
- Aktion Courage e.V. – SOS Rassismus, Bonn
- Pax Christi, Bad Vilbel
- IPPNW, Berlin
- Forschungsgesellschaft Flucht und Migration e.V., Berlin
- Komitee für Grundrechte und Demokratie, Köln
- NaturwissenschaftlerInnen-Initiative „Verantwortung für Friedens- und Zukunftsfähigkeit“, Dortmund
- AG Asyl im Netzwerk Friedenskooperative, Bonn
- Künstler in Aktion, Dortmund
- SAGA, Südbadisches Aktionsbündnis gegen Abschiebungen
- Lokale Initiativen und Einzelpersonen aus Konstanz
- Werner Ruf, Professor an der Gesamthochschule Kassel
Algerien/Algeria
- Ligue Algérienne de Défense des Droits de l’Homme, Algier
- Syndicat National des Avocats Algériens, Algier
- Mahmoud Khelili, Rechtsanwalt in Algier, Vorsitzender des Syndicat National des Avocats Algériens, Vorsitzender der Commission des Droits de l’Homme et de la Défense du Barreau d’Alger, Mitglied des Réseau Euromed des Droits de l’Homme, Mitglied du Conseil de l’Ordre des Avocats Algériens, Mitglied der Ligue Algérienne de Défense des Droits de l’Homme.
- Mostafa Bouchachi, Rechtsanwalt in Algier, Mitglied der Ligue Algérienne de Défense des Droits de l’Homme.
- Mohamed Tahri, Rechtsanwalt in Algier, Mitglied der Ligue Algérienne de Défense des Droits de l’Homme.
Schweiz/Switzerland
- HIJRA International Organization, Genève
- Abbas Aroua, Président ai de Rehab pour la réhabilitation des survivants de la torture, Membre du Mouvement pour la Vérité, la Justice et la Paix en Algérie, Lausanne
- Commission socialiste de solidarité internationale, Genève
- Pascal Holenweg, Conseiller municipal, président de la CSSI, Genève
Frankreich/France
- CIMADE, Campagne pour l’acceuil et la protection der Algériens, Paris
- François Gèze, Director der Éditions La Découverte & Syros, Paris
- Marguerite Rollinde, association Hourriya/Liberté, Menschenrechtsverein Maghreb, Paris
- Collectif des familles de Disparu(e)s en Algérie, Paris
- Ginette Skandrani, Gründungsmitglied der Grünen, Paris
- Andrée Grain, Solidarité Palestine, Paris
- Fausto Giudicce, Schriftsteller, Paris
- Abdallah Kebbi, Alliance Nouvelle des Citoyens, Paris
- Raymond Debord, La Voix Populaire, Paris
- Salima Jamili, La Voix Populaire, Paris
- Benoit Guerard, La Voix Populaire, Paris
- Fatiha Talahite, Chercheur CNRS, Paris
- Stephane Callens, Faculté des sciences économiques et sociales, Université de Lille
Dänemark/Denmark
- Comité Dano-Algérien (Dansk-Algerisk Komite), Kopenhagen
- Brahim Taouti, algerischer Rechtsanwalt, Kopenhagen
Italien/Italy
- Anna Bozzo, Storia della Civiltà Arabo-islamica, Università di Roma Tre, Dipatimento di Studi Storici Geografici Antropoligici