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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV RADIO KURZPREDIGTEN 1969 ::: ARCHIV KIRCHE 1969 :::
Zuspruch am Morgen

Hessischer Rundfunk Frankfurt
Woche vom 13. – 18. Oktober 1969

RADIO KURZPREDIGTEN

Wochentage – Arbeitstage?


Die Bezeichnung für die Wochentage haben die alten Germanen von den Babyloniern übernommen. Dort wurden die sieben Tage nach den Göttern der alten Planeten, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn benannt. Einige Namen ersetzten unsere Vorfahren durch die Namen der ihnen bekannten Götter, so dass der Freitag bei uns nicht nach der Göttin Venus, sondern nach Frya, der Gemahlin Wotans, benannt ist. Der Sonntag allerdings verblieb als Tag der Sonne und der Montag als Tag des Mondes. Da die Annahme bestand, dass die Gestirne auf das Geschick der Menschenerheblichen Einfluss haben, sollte jeder Tag unter dem besonderen Schutz eines Planetengottes stehen. Auf diese Weise hoffte man, Unglückstage vermeiden zu können. Die Römer, wesentlich nüchterner, zählten die Tage einfach.

Weder den Götternamen, noch den Zahlen ist zu entnehmen, welche Bedeutung die einzelnen Tage für Handel und Wandel hatten. Das ist wesentlich anders bei den Bewohnern der Insel Samoa. Jeder Tag trägt einen Namen, aus dem seine besondere Funktion im Laufe der Woche ersichtlich wird. Der Montag heißt Tag der Ruhe und kommt damit sehr in die Nähe unseres „blauen Montags“, der Dienstag nennt sich Tag des Tanzes, der Mittwoch Tag des Spieles, der Donnerstag Tag der Arbeitsvorbereitung, der Freitag Tag der Arbeit, der Samstag Tag der Andachtsvorbereitung und der Sonntag, Tag der Andacht.

Besonders auffällig an dieser Wocheneinteilung ist der Umstand, dass strenggenommen nur ein Tag für die Arbeit vorgesehen ist, während die übrigen Tage dem Tanz, dem Spiel, der Ruhe und der Andacht der Besinnung bezeichnen. Wir könnten allenfalls so differenzieren, dass wir etwa den Freitag, den Tag der Verkehrsunfälle, den Samstag, den Tag der Schwarzarbeit und den Sonntag den Tag des Ausflugs nennen. Vorläufig empfehlen sich aber noch unsere bisherigen Tagesnamen, zumal ihre astrologische Herkunft vorzüglich dem Interesse entspricht, das in unserer Zeit den Horoskopen entgegen gebracht wird.

Die Wocheneinteilung von Samoa wird erst dann eine größere Bedeutung gewinnen, wenn sich der Trend der Arbeitszeitverkürzung fortsetzt und wir immer stärker vor der Frage stehen, wie wir unsere freie Zeit mit Anstand verbringen. Die bisherigen Erfahrungen sind nicht unbedingt ermutigend. Erstens müssen wir lernen, Arbeit nicht einfach in Freizeitbetrieb übergehen zu lassen, zum anderen ist es angezeigt, wieder den Tag der Andacht, oder wem das zu fromm klingt, den Tag der Besinnung zurückzugewinnen.


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