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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV PRO ASYL PRESSEERKLÄRUNG 1994 :::
20. März 1994

21. März – Antirassismustag der Vereinten Nationen
ROMA ALS OPFER VON RASSISMUS
prominenter Roma-Vertreter betroffen


In Deutschland lebende Roma erfahren sich nach wie vor als Opfer von Rassismus. Darauf verwies die Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge „Pro Asyl“ in einer Erklärung zum Antirassismustag der Vereinten Nationen am 21. März.

• So wurde der Vorsitzende der Rom & Sinti Union e.V. Rudko Kawczynski mit seiner Familie am Freitag in Hamburg vor einem Kaufhaus von einem Mann in rassistischer Weise angegriffen und beleidigt. Der Täter beschimpfte dessen Gattin als „Kanake“ und „Drecksvolk“ und forderte sie auf, sich aus dem Land zu scheren. Herbeigerufene Polizei habe den Rechtsradikalen laufen lassen, dafür aber Kawczynski in geradezu feindseliger Weise festgenommen und unter den Augen „Ausländer raus“-gröhlender Zuschauer mißhandelt.

• Einige Tage zuvor hatte es einen Brandanschlag auf das mobile Beratungsbüro der Roma-Vereinigung gegeben, bei der das Fahrzeug völlig ausbrannte. Kawczynski hatte sich nach diesem Vorfall bei Innensenator Werner Hackmann über die unzulänglichen Ermittlungen der Polizei beschwert. Dabei erinnerte er daran, daß es in den vergangenen Jahren mehrfach Angriffe gegen Mitglieder und Einrichtungen des Vereins gegeben habe, von denen keiner bisher aufgeklärt worden sei. Kawczynski sieht einen Zusammenhang zwischen dem nächtlichen Angriff und seiner kürzlichen Erklärung gegen die von Nordrhein-Westfalen geplante Abschiebung von Roma nach Serbien und Montenegro.

• „Pro Asyl“, das sich auch gegen die zwangsweise Rückführung von Minderheiten, und dabei gerade von Roma, nach Rest-Jugoslawien ausgesprochen hatte, hatte sich in der vergangenen Woche an den Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger gewandt und den Verbleib einer Roma-Familie gefordert. Diese war Ende Januar Opfer eines Brandanschlages in Köln-Nippes geworden. Jetzt sollte sie und weitere Angehörige der Familie ausgewiesen werden, obwohl sie aus Bosnien-Herzegowina geflüchtet waren. Eins der Kinder liegt immer noch mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus, andere Angehörige sind von Brandverletzungen gezeichnet.

„Pro Asyl“ kritisiert das wirre Knäuel von dumpfem Rassismus, polizeilichem Fehlverhalten und einer gnadenlosen Abschiebepolitik. Die Arbeitsgemeinschaft erinnert daran, daß etwa 500.000 Roma und Sinti unter dem Nationalsozialismus umgekommen seien. Außerdem verwies sie darauf, daß der Präsident des Europäischen Parlamentes die Bundesregierung gebeten habe, die Abschiebung von Roma zu unterlassen.


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