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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE 1991 ::: ARCHIV DIVERSES :::
Rede gegen den Golfkrieg

Wählt die Kids!

Demonstration am 19. Januar 1991 in Hofheim am Taunus


Gestern um 16.30 Uhr habe ich ein Fax aus Berlin erhalten: Es kam vcn einer dynamischen, ungeheuer sympathischen, grünen Oma:

„Schwarzer Freitag
Lieber Herbert,
Shalom, peace, pax, Mup, pace, Frieden …
Es ist alles so furchtbar. Das einzige, was mich ungeheuer beeindruckt, sind die Demonstrationen + Aktivitäten der Schüler/innen. Seit 3 Tagen sind hier täglich tausende auf der Straße. Und die Kids machen das alles ganz allein.“

Ich selbst bin auch beeindruckt und messe diesem Aufbruch der Schüler/innen eine besondere Bedeutung bei. Die Botschaft der Kids, die in die Zukunft weist: Krieg ist kein Mittel der Politik mehr. Jeder Krieg bedroht unsere Zukunft.

Die Kids sind viel zu spät auf der Straße gegangen:

Wo waren sie, als wir 1988 in Geisenheim gegen den Rüstungsexport der Fa. Werner in den Irak demonstrierten?

Wo waren sie, als wir am 17.November mit nur 1000 Leuten vor dem Verwaltungsgebäude von Mercedes-Benz in Stuttgart standen?

Wo waren sie, als wir zu sechst am Samstag vor Weihnachten hier in der Fußgängerpassage einen Schweigekreis bildeten?

Auch die Kids haben jetzt nur durch den Schock gelernt. Vielleicht lernt man nichts anderes in der Schule. Aber dieses Lernen ist tödlich, denn den letzten Schock überleben wir nicht mehr.

Es muß ein radikal neues Lernen gelernt werden, das vorwegnehmende Lernen, das Lernen von der Zukunft her. Nur die Jugend hat, noch eine Chance dieses Lernen zu erlernen. Ihr radikales Nein zu diesem und allen weiteren Kriegen könnte ein erster Schritt dazu sein.

Vielleicht erfüllt sich eine Hoffnung, die ich seit über 15 Jahre hege, daß wir Alten uns endlich darauf einstellen, von den Kindern zu lernen und nicht umgekehrt. Ich hatte dies 1974 in einer Glosse für die Hofheimer Zeitung zum Ausdruck gebracht, für die Ausgabe nach den Ferien, an die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch an die Eltern gerichtet. Ich hatte dabei die Völkerkundlerin Margaret Mead zitiert, die von einem neuen Zeitalter gesprochen hatte, in das wir eingetreten seien, in ein Zeitalter, wo die Alten nur noch von den Kindern lernen könnten. Mein von der Redaktion bestellter Beitrag ist damals nicht erschienen. Der war wohl für den Hofheimer Schulbetrieb zu absurd.

Das heutige Lernziel für uns Alle: Absolute Ächtung des Krieges! Die Kids brauchen uns dabei! Lassen wir sie nicht im Stich! Ich schließe mit dem Aufruf für übermorgen: „Wählt die Kids“ oder biblisch: „Werdet wie die Kinder!“


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