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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV ASYL 2003 :::

Mein Lieblingsbuch

Begegnungen mit der Königin von Saba

HINWEIS
Beitrag in: INKOTA-Brief 126, Dezember 2003, S. 34 zu: Werner Daum (Hrsg.), Die Königin von Saba, Kunst, Legende und Archäologie zwischen Morgenland und Abendland, Stuttgart – Zürich 1988, 216 S.

80er Jahre. Ich fahre zu einem außerhalb von Hofheim liegenden Wohnheim für Flüchtlinge. Hannah möchte mit ihren beiden kleinen Töchtern an einem eritreischen Gottesdienst in Frankfurt teilnehmen. Als ich das triste Gebäude in einer Großgärtnerei erreiche, steht Hannah bereits im Hauseingang. Alle drei sind in ihre Nationaltracht gekleidet. Mir stockt fast der Atem angesichts der Schönheit und Würde dieser jungen Frau aus dem ostafrikanischen Land: Das ist die Königin von Saba, war mein erster Gedanke.

Nicht viel später stoße ich auf das aufwändig ausgestattete Buch „Die Königin von Saba“. Ich ließ es mir schenken, um mehr zu erfahren von der uralten Kultur, der Hannah und die vielen eritreischen Flüchtlinge, denen ich mich freundschaftlich verbunden fühlte, entstammten. Sie reicht zurück bis zur sagenumwobenen Königin von Saba. Mit großem Gefolge und mit den kostbarsten Gastgeschenken ihres Reiches war sie nach Jerusalem gereist, um den immensen Reichtum und die weit gerühmte Weisheit König Salomos kennen zu lernen.

Erté, Die Königin
von Saba, 1927

Diese Begegnung hat über Jahrhunderte Orient und Okzident beschäftigt und ungewöhnliche kulturelle Leistungen hervor gebracht. Dem versucht mein Lieblingsbuch, kunst- und religionshistorisch nachzuspüren und mit Bildern und Texten zu dokumentieren. Nicht nur die christliche Welt, sondern auch die jüdische und die islamische haben sich in vielfältiger Weise mit dem Thema befasst.

Einflüsse aus dem persischen und indischen Bereich, Schöpfungsmythen, eine Welt von Geistern und Dämonen, die ganze Fülle der seinerzeit bekannten Tierwelt werden in die Gestaltung dieser Begegnung einbezogen. Als Austausch der Kulturen verstanden, kommt das Universale in den Blick.

Mich hat das Buch ebenso wie die Flüchtlinge selbst darin bestätigt, dass Kulturen ein gegenseitiger Reichtum und letztlich Ausdruck einer größeren Gemeinsamkeit sind. Der „clash of cultures“, der Kampf der Kulturen, sollte eigentlich eine Mär aus der Steinzeit sein!

Die Königin von Saba auf ihrem Elefanten. Krippenfigur 17./18. Jh., Ingolstadt


Beitrag in: INKOTA-Brief 126, Dezember 2003, S. 34 zu: Werner Daum (Hrsg.), Die Königin von Saba, Kunst, Legende und Archäologie zwischen Morgenland und Abendland, Stuttgart – Zürich 1988, 216 S.


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