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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV RADIO KURZPREDIGTEN 1967 ::: ARCHIV KIRCHE 1967 :::
Zuspruch am Morgen

Hessischer Rundfunk Frankfurt
Woche vom 18. – 23. September 1967

RADIO KURZPREDIGTEN

Heilschlange


Das Auto eines Arztes ist daran zu erkennen, dass an der Windschutzscheibe ein kreisrundes Schildchen angebracht ist. Auf ihm ist ein Stab mit einer Schlange zu sehen. Niemand wundert sich mehr, dass gerade die Schlange Symbol der Heilkunst ist , obwohl Schlangen für uns doch unheimliche Tiere sind. Wir empfinden sie normalerweise als gefährlich.

In einer indischen Erzählung ist es ein alter Mann, der sich täglich von einer Schlange bedroht fühlt. Er versucht auf allerlei Weise die Gefahr zu bannen. Es ist ihm aber kein Erfolg beschieden. In seiner Not wendet er sich an einen Weisen. Dieser gibt ihm folgenden Rat:“Dein bisheriger Kampf mit der Schlange konnte nicht zum Erfolg führen. Du musst es anders machen! Verhalte dich in Zukunft wie die Schlange, ahme ihre Bewegungen nach und passe dich ganz ihrer Art an, Dann wirst du Ruhe haben“. Der Mann befolgte diesen Rat, der ihm eigenartig vorkommen musste – und tatsächlich die Schlange hörte auf, ihm feindlich zu sein.

„Passe dich der Schlange an, und die Schlange hört auf, dein Feind zu sein.“ Wir lesen indes auf den ersten Seiten der Bibel von einer Anpassung des Menschen an die Schlange, die ihm nicht zum Heil, sondern zum Unheil geworden ist. Die Schlange verspricht in diesem bildhaften Bericht vom Paradies zwar das Heil, aber sie bewirkt das Gegenteil.

Die zwielichtige Rolle der Schlange ist damit für die Bibel noch nicht ausgespielt, Bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel raffen Giftschlangen viele der rebellierenden Israeliten hinweg. Da richtet Moses einen Pfahl auf, lässt aus Erz eine Schlange nachbilden und befestigt sie an dem Pfahl. Wenn nun eine Schlange, so heißt es in dem Text, jemanden gebissen hatte und dieser die aufgerichtete Schlange ansah, so schadete ihm dieser Biss nicht. Wir fühlen uns sofort an die indische Parabel erinnert. Passe dich der Schlange an und sie ist kein Unheil mehr für dich!

Mit diesen Überlegungen sind wir in der Lage, einen schwierigen Satz im Neuen Testament zu verstehen, der von Christus handelt. „Und wie Moses die Schlange in der Wüste erhöhte, so muss des Menschen Sohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt (gläubig zu ihm aufsieht) das ewige Leben hat“. Dieser Satz will besagen, bei Moses konnte die Giftschlange durch den Blick auf die aufgerichtete Heilschlange überwunden werden. Jesus Christus ist ebenfalls am Pfahl aufgerichtet worden. Damit hat er sich angepasst an die Schlange die am Baum der Erkenntnis hing. Er ist für uns – symbolisch gesprochen – zur Schlange geworden, um die Schlange zu besiegen. Setzen wir statt Schlange das Wort Sünde ein, dann gehört hierher der Satz von Paulus: „Ihn, der die Sünde nicht kannte, hat Gott für uns zur Sünde gemacht.“ Damit ist die Bedrohung der Schlange, die Bedrohung durch die unheimlichen Mächte der Sünde in uns und um uns gebannt für den, der zu Christus aufblickt.


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