Frankfurter Rundschau
vom 11.08.1999
„Geflohene Kinder schützen“
Pro Asyl mahnt Versprechen für neuen Umgang an
Von Karsten Plog
HAMBURG, 10. August. Die rot-grüne Bundesregierung müsse endlich ihre Ankündigungen wahr machen, mehr für allein eingereiste minderjährige Flüchtlinge zu tun. Das hat am Dienstag in Hamburg Heiko Kauffmann von der Arbeitsgemeinschaft Pro Asyl gefordert. Die Abschiebehaft für minderjährige Flüchtlinge grundsätzlich verboten werden.
Der Sonderschutz solle den jungen Flüchtlingen bis zur Volljährigkeit gewährt werden, fordert Pro Asyl. Für alle Kinderflüchtlinge unter 18 sei unverzüglich nach der Einreise ein kompetenter Vormund oder Pfleger zu bestellen. Die ,Drittstaatenregelung‘, nach der Asylsuchende bereits an der Grenze oder auf Flughäfen abgewiesen werden könnten, muss nach Ansicht von Pro Asyl für Kinder und Jugendliche abgeschafft werden. Junge Flüchtlinge dürften nicht länger in Sammellagern untergebracht werden.
Nach wie vor sei der Umgang mit den jungen. Flüchtlingen „diskriminierend, würde- und respektlos“, sagte Kauffmann. In Berlin säßen etwa hundert Kinder in, Abschiebehaft, Kinder und Jugendliche würden in ihre Heimat zurückgeschickt, wo sie keine Perspektive hätten. Jugendliche hätten wenig Chancen, eine Ausbildung zu bekommen, Arbeit sei ihnen verboten. Auch minderjährige Flüchtlinge würden fast nur noch als illegale Einwanderer angesehen und so auch behandelt.
Kauffmann verwies auf die UN-Konvention über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989, die 1992 auch von der Bundesregierung ratifiziert worden war. Das allerdings geschah mit dem Vorbehalt, dass das hier geltende Asylrecht davon unberührt bleibe. Die Konvention nimmt die Staaten unter anderem in die Pflicht, sich um besonders belastete und gefährdete Kinder zu kümmern, zu denen die jungen Flüchtlinge zählen. Kaufmann stellte das erste Handbuch der Sozialen Arbeit mit Flüchtlingskindern vor, herausgegeben vom Hamburger Netzwerk „Woge“ und vom Institut für soziale Arbeit in Münster.
(Votum Verlag, Münster).