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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV DIVERSES | FRANZ LEUNINGER ZUM GEDENKEN:::

Gedenkfeier
für Franz Leuninger
am 1.3.1995
in Mengerskirchen

Grußwort Landrat Dr. Manfred Fluck

Dr. Fluck zitiert den großen britischen Staatsmann Sir Winston Churchill (*1874 +1965)

Grußwort Landrat Dr. Manfred Fluck

Sehr geehrte Familie Leuninger,
sehr geehrte Damen und Herren!

E

in halbes Jahrhundert ist es inzwischen her, daß ein Westerwälder Gewerkschafter namens Franz Leuninger, der fest im christlichen Glauben stand, sein Leben lassen mußte im aktiven und dennoch vergeblichen Kampf gegen ein Unrechtsregime, das in der Geschichtsschreibung mit dem Begriff „Drittes Reich“ bedacht wird, sich selbst aber in verblendeter Überheblichkeit als tausendjähriges Reich bezeichnete.

50 Jahre – nach heutigen Maßstäben unserer schnellebigen Welt fast eine halbe Ewigkeit. Wer die Zeit von 1933 bis 1945 bewußt miterlebt oder sich in der Literatur mit dieser Epoche befaßt hat, kann nachempfinden, daß viele Deutsche – zumal mit fortschreitendem Kriegsverlauf – sich ein Ende der Gewaltherrschaft herbeiwünschten, jedoch fast alle in Bewegungslosigkeit verharrten. Das läßt sich nicht abschließend und allgemeinverbindlich bewerten. Franz Leuninger jedenfalls bildete eine Ausnahme. Er entstammte in Mengerskirchen einem Umfeld, das sich durch bemerkenswert deutliche Ablehnung gegenüber den Nationalsozialisten auszeichnete. Ihre Wahlergebnisse in dem Westerwaldort gehörten zu den schlechtesten im ganzen Reich. Immer wieder versuchten SA und SS das Dorf mit besatzungsähnlichen Zuständen einzuschüchtern. Sie scheiterten. An einer für alle Dorfbewohner anberaumten nationalsozialistischen Schulung erschienen lediglich der Referent, zwei SA-Leute, zwei Lehrer und ein neugieriger Bewohner. Vor diesem Hintergrund kann man auch erklären, daß eine Jüdin von einer Bewohnerin versteckt, Krieg und Holocaust in Mengerskirchen überleben konnte.

Es hat viele Jahre gedauert, ehe die Widerstandsbewegung jenen ehrenden Rang erhalten hat, der ihr historisch zusteht. In der Öffentlichkeit wurde jahrzehntelang lediglich an den 20. Juli 1944 erinnert. In wissenschaftlichen Seminaren erfolgten dann begleitend staatsrechtliche und staatsphilosophische Erörterungen über Moral und Ethik, über die Rechtfertigung des Tyrannenmordes unter den Gesichtspunkten Notwehr, Nothilfe und übergesetzlicher Notstand.

Die Größe und Bedeutung der gesamten Widerstandsbewegung wird erst in jüngster Zeit gewürdigt. Es ist in unserer Demokratie, insbesondere nach der Wiedervereinigung äußerst wichtig, daß nachfolgende Generationen weiterhin nach den Quellen, nach Aufklärung, nach Verhaltensweisen und nach dem Kampf um die Menschenrechte jener Zeit fragen. Wer heute fragt, wo der Mut der Deutschen, gegen das Unrechtsregime vorzugehen, zu suchen ist, der wird bei Franz Leuninger und seinen Freunden eine Antwort finden.

Besonders unseren Jugendlichen darf diese schlimmste Zeit in der deutschen Geschichte nicht vorenthalten werden. Die sich abzeichnende Tendenz, das fürchterliche Geschehen zu verherrlichen und die Greueltaten zu leugnen, darf sich nicht fortsetzen. Das sind wir nicht zuletzt auch den Menschen des Widerstandes wie Franz Leuninger schuldig, die ihr Leben hingaben, um Deutschland zu retten.

Lassen Sie (Originalton ) mich, verehrte Damen und Herren, mit einem Satz von Winston Churchill mein kurzes Grußwort schließen. Er sagte nach dem Kriege: „In Deutschland lebte eine Opposition, die quantitativ durch ihre Opfer und eine entnervte internationale Politik immer schwächer wurde, aber zu dem Edelsten und Größten gehört, das die politische Geschichte aller Völker kennt!“

Franz Leuninger, an den wir heute am 50. Jahrestag seiner Hinrichtung denken, gehört dazu.


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