FRANZ LEUNINGER
Gedenken
zum 70. Jahrestag seiner Hinrichtung
am 1. März 1945
Tonrelief von Paul Grimm zum Gottesdienst in der Kirche von
Mengerskirchen im Chorraum aufgestellt.
Fotos: Armin Klein
02. März 2015
Johannes Laubach
Ein Mensch, der seine Angst
überwunden hat
Kinder singen, erzählen, ein Zeitzeuge erinnert sich an den
Widerstandskämpfer – 70 Jahre nach der Hinrichtung von Franz Leuninger.
Kinder der Klassenstufe 4 singen im Chorraum
Mengerskirchen.
Mut haben, Nein sagen, die Angst besiegen und tun, was getan werden muss – das waren Schlagworte am Sonntagmorgen im Familiengottesdienst der katholischen Pfarrgemeinde Mengerskirchen. Mit Herbert Leuninger stand nicht nur ein Familienmitglied als Pfarrer (neben Pfarrer Walter Henkes und Pfarrer Dieter Braun) mit am Altar, sondern auch ein Zeitzeuge zur Verfügung, der sich noch an Begegnungen mit seinem Onkel in Köln und Mengerskirchen erinnern kann. Und von seinen Erinnerungen teilte er, der von Schülerinnen und Schülern der 4. Klasse der Franz-Leuninger-Schule befragt wurde, der Gemeinde einiges mit.
Zum Beispiel davon, dass der Onkel, wenn er mit seinem Wagen angefahren kam, immer Geschenke dabei hatte. Er kam aus Breslau nach Köln zur Familie seines Bruders Alois. Franz Leuninger habe Hitler, die Nazis und die von ihnen aufgebaute Diktatur frühzeitig abgelehnt. Damit habe er in der Tradition der Familie und seines Heimatortes gestanden. Herbert Leuninger erinnerte daran, dass in dem Westerwalddorf nur wenige Hitler gefolgt seien, was zur Folge hatte, dass nach der Machtübernahme Nazi-Schergen ins Dorf kamen, um die Bevölkerung einzuschüchtern.
Der Onkel, so erzählte Herbert Leuninger weiter, sei kein Held gewesen und habe auch Angst vor den Folgen seines Widerstands gegen Hitler gehabt. Franz Leuninger habe sich durchaus darauf eingestellt, sein Leben zu verlieren. Aber er habe getan, was er habe tun müssen. Der Widerstand gegen Hitler, gegen den Krieg und die Grausamkeiten, die gegen jüdische Mitbürger und andere begangen wurden, sei für den Onkel eine Gewissenentscheidung gewesen. Herbert Leuninger erzählte in dem Gottesdienst auch davon, wie er als Junge in der Wohnung seiner Eltern mitgehört zu haben, dass der Onkel vom Feldzug gegen Polen berichtete und von einem Massengrab, an dessen Rand er gestanden habe. Die Teilnahme an dem Feldzug als Soldat der Wehrmacht gegen Polen habe den über 40-jährigen Leuninger in seinem Widerstand gegen Adolf Hitler und seine Diktatur sicherlich noch einmal bestärkt.
Nein sagen, Unrecht erkennen, Mut haben und Angst zu überwinden, das sind auch heute noch wichtige Eigenschaften, das machten die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Franz-Leuninger-Schule mit ihren Liedern und Vorträgen deutlich. Sie hatten sich dafür die Geschichte vom „Überaus starken Willibald“ ausgesucht.
In der Geschichte von Willi Fährmann nutzt Willibald die Gunst der Stunde und macht sich zum Boss einer Mäuseschar, die er mit willigen Helfer einschüchtert und unterdrückt. Es dauert, bis die anderen Mäuse mitbekommen, was in ihrer kleinen Welt geschieht. Und es war anschließend gar nicht einfach, sich gegen die Diktatur des überaus starken Willibalds erfolgreich zur Wehr zu setzen und sie zu beenden.
BRIEFE an die
Mengerskirchen
4.3. 2015
Liebe Frau Rektorin Schäfer!
Der Gedenkgottesdienst für Franz Leuninger am Sonntag zählt für mich zu den ungewöhnlichsten und eindrucksvollsten Feiern, die ich bisher erlebt habe. Das bezieht sich vornehmlich auf die Mitwirkung der Kinder. Sie haben auf eindrucksvolle Weise und mit vollem Einsatz gesungen, gebetet, Texte vorgetragen und Fragen gestellt. Schon der feierliche Einzug mit dem Bild war eine wunderbare Erfahrung.
Besonders beteiligt waren von der Gestaltung her natürlich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 4a, 4b und 4c. Aber auch die anderen Kinder haben fröhlich mitgesungen, mitgeklatscht, haben sich segnen und ihre Kerzen anzünden lassen. Ich hatte, wie etwa auch Pfarrer Braun aus Winkels, das Empfinden, als habe sich hier für alle Kinder etwas Unvergessliches ereignet.
Bei ihren Klassen waren die Lehrerinnen und Lehrer, die diesen Gottesdienst mitgetragen, vorbereitet und verantwortet haben. Erhebend auch die Anwesenheit der vielen Eltern und Gemeindemitglieder. Gerade Letztere dürften mit dieser Feier erlebt haben, wie es möglich ist, eine Kultur der Erinnerung an nachfolgende Generationen weiterzugeben.
Das Programm dieses Gottesdienstes, gemeinsam mit der Schule und den Religionslehrern Pfr. Henkes und Pastoralreferent Neust geplant und vorbereitet, öffnete den liturgischen Ablauf auf Erwachsene und Kinder hin, denen die katholische Messe fremd ist. Ich habe Pfr. Henkes meine Anerkennung dafür ausgesprochen, dass er sich mit voller Zustimmung darauf eingelassen hat.

Dazu gehörten die Auswahl der Lieder, die geglückte Mischung von Orgelspiel und Musik mit Keybord und Saxophon, wobei ich gerade auch Frau Kuhnigk und Herrn Wüst erwähnen möchte, die den Ablauf und die musikalische Gestaltung maßgeblich übernommen haben. Nicht zuletzt konnten die professionelle Präsentation und Projektion der Liedtexte, der deutenden Bilder und Hinweise dazu beitragen, dass wir uns alle in aller Festlichkeit als eine Gemeinschaft erlebt haben, die die Erinnerung an einen vorbildlichen Westerwälder mit einer ermutigten jungen Generation verbindet.
Mit herzlichen Grüßen bin ich Ihr
Herbert Leuninger
Projekttag der Klasse 4b der Franz-Leuninger-Schule
Mengerskirchen am 6. März 2015
8.3.2015
Liebe Frau Fritz!
Innerlich sehr bewegt von dem, was ich mit Ihrer Klasse erlebt habe, bin ich am Freitag nach Hause gefahren. Diese „Schulstunde“ war für mich eine Sternstunde der Erinnerungskultur, wie sie besser als in der Franz-Leuninger-Schule wohl kaum gepflegt werden kann. Dabei denke ich nicht nur an den einmalig gestalteten Gedenkgottesdienst vom vergangenen Sonntag mit der aktiven Beteiligung der 4. Klassenstufe, sondern auch an die Begegnung von meinem Bruder und mir mit der gleichen Klassenstufe im Jahre 2009, die nach ebenfalls ausführlicher Befassung mit Franz Leuninger, wie es in dem ausführlichen Zeitungsbericht Ihrer Mutter zu lesen ist, als Projekt die Aufstellung eines neuen Gedenkkreuzes für den Namensgeber in die Wege geleitet hat.
Am Freitag nun durfte ich erfahren, was Ihre Klasse an ihrem Projekttag in vielfältiger und überzeugender Weise erarbeitet hat. Danach war ich überrascht über die Vielzahl der Fragen, die mir zum Leben und Tod von Franz Leuninger, zu seiner Familie, zum Nationalsozialismus, zu dem Krieg, den Verfolgungen, auch zu Hitler und zu meiner ganz persönlichen Haltung gestellt wurden. Sie offenbarten mir ein auch von den Gefühlen her tiefes Eintauchen in eine eigentlich für die Kinder längst vergangene Zeit. Ich habe den Eindruck gewinnen können, dass diese Mädchen und Jungen Franz Leuninger und seine Zeit nicht mehr vergessen werden. Ich selbst werde Sie und die Kinder nicht mehr vergessen, die ich lieb gewonnen habe.
Nun warte ich darauf zu erfahren, wie Ihre Schwester Laura in ihrer Abschlussarbeit des Pädagogikstudiums das gesamte Projekt bewertet.
Fotos vom Projekttag Laura Fritz
Ressourcen: Franz Leuninger Gedenken









