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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV PRO ASYL PRESSEERKLÄRUNG 1995 :::
14. Dezember 1995

Nach dem Friedensschluss von Paris
Europäischer Flüchtlingsrat:
Keine Alleingänge bei der Rückführung bosnischer Flüchtlinge


Der EUROPÄISCHE FLÜCHTLINGSRAT (ECRE (1)) hat alle Regierungen. die bosnische Flüchtlinge aufgenommen haben, vor Alleingängen bei deren Rückführung nach dem Pariser Friedensschluß gewarnt. Getrennte Abmachungen einzelner Länder mit Bosnien würden eine umfassende Rückkehrlösung torpedieren. Dies teilte Herbert Leuninger, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der in London ansässigen Asylorganisation, mit. Alle Mitglieder seien gebeten worden, In entsprechender Weise auf ihre Regierungen einzuwirken. In Deutschland gehören dem Flüchtlingsrat neben PRO ASYL die großen Wohlfahrtsverbände an.

Leuninger hält die Bundesrepublik für einen „Kandidaten bilateraler Hast“. Nach unbestätigten Informationen sind bereits erste Verhandlungen mit Bosnien-Herzegovina noch vor dem Weihnachtsfest angesetzt. Deutschland sieht sich offiziell als Land, das nach Kroatien die größte Last der Flucht getragen hat. So wird immer wieder das Interesse an einer möglichst schnellen Rückkehr dieser Menschen bekundet.

Deutschland hat zwar – so Leuninger – absolut die meisten Bosnien-FlüchtIinge aufgenommen. Dies gilt aber nicht bezogen auf die Einwohner. So hat Österreich auf je hunderttausend Einwohner 558 Flüchtlingen vorübergehende Zuflucht gewährt. Auch Schweden mit 558 und die Schweiz mit 468 auf hunderttausend Einwohnern stehen noch vor der Bundesrepublik. Dort sind es bei einer Zahl von 350.000 Bosnien-Flüchtlingen nur 431 pro 100.000 (Quelle: FAZ-Grafik vom 11.8.1995).

Der EUROPÄISCHE FLÜCHTLINGSRAT besteht darauf, daß jede Rückkehr freiwillig erfolgt. Flüchtlinge, die zwar zurückgekehrt sind; aber in der Heimat nicht mehr Fuß fassen können, sollen für sechs Monate eine Rückkehroption erhalten. Auch müßten sich die Aufnahmeländer darauf einstellen, Flüchtlingen dann einen Daueraufenthalt zu gewähren, wenn sie in der Heimat nicht akzeptiert werden und dort nicht mehr in Sicherheit und unter Wahrung ihrer Menschenwürde leben können.

Herbert Leuninger,
Europareferent von PRO ASYL


(1) Der Europäische Flüchtlingsrot ist ein Zusammenschluß von 50 Flüchtlingsorganisationen in Europa und hat seinen Sitz in London.


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