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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE 1994 :::

Hans Seidenather

Domkapitular i.R. – Päpstlicher Hausprälat
* 23. September 1908 in Frankfurt/M.
+ 4. September 1994 in Hofheim Ts.


Aus einem Schreiben des Bischofs von Limburg, Franz Kamphaus vom 4. Dezember 1992 zum Diamantenen Priesterjubiläum von Hans Seidenather am 8. Dezember 1992


DER BISCHOF VON LIMBURG

Limburg/Lahn, 4. Dezember 1992

Herrn Domkapitular
Prälat Hans Seidenather
Germanenstraße 14
6238 Hofheim/Ts.

Sehr geehrter Herr Prälat Seidenather, lieber Mitbruder,

…Sie haben Ihren priesterlichen Dienst in einer schweren Zeit begonnen. Schon nach einem Dienstjahr in Lorch begann die Auseinandersetzung mit den damaligen Machthabern. Als erster Jugendpfarrer in Frankfurt und Präses der Kolpingfamilie, gleichzeitig geistlicher Rektor des Kolpinghauses, haben Sie erfahren, wie der Staat auf die Kirche und ihre Verbände zugriff.

Besonders bedrückend muß die Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt gewesen sein, in der Sie auch Menschen auf dem letzten Gang begleiten mußten. Sie haben Ihren Dienst dort als Priester ohne jegliche Konzession an die Machthaber getan. Das hat Sie bei diesen in Verruf gebracht, in der Kirche aber Ihren Ruf nur gefördert.

1943 wurden Sie in die Leitung des Diözesancaritasverbandes in Limburg berufen. Sie mußten in den letzten Kriegsjahren die großen Zerstörungen miterleben und konnten mithelfen, das Überleben vieler Menschen zu sichern. Nach 1945 kamen weitere große Aufgaben auf Sie zu. Die vielen Sorgen und Nöte der Heimatvertriebenen mußten aufgefangen werden. Dabei haben Sie sich auch für den Einsatz von heimatvertriebenen Orden in unserem Bistum verwandt.

Die von der Nazidiktatur erheblich zerstörten Einrichtungen der Kirche haben Sie wieder für den caritativen Dienst übernommen. Nach allen Kräften haben Sie sich bemüht, in ihnen neues Leben auf christlicher Grundlage zu fördern. Es war nicht einfach, den sogenannten Nachlaß des Dritten Reiches aufzuarbeiten.

In der weiteren Phase des Aufbaus einer flächendeckenden Caritasstruktur im Bistum Limburg haben Sie in guter Voraussicht der kommenden Entwicklungen die Kreis-Caritasstellen geschaffen und mit entsprechenden Fachkräften besetzt. Auch den Aufbau der Familienarbeit haben Sie im Bistum betrieben.

1955 übernahmen Sie das Finanz- und Baureferat des Bischöflichen Ordinariates. Gleichzeitig hatten Sie den Vorsitz im Diözesancaritasverband des Bischöflichen Ordinariates inne. In diesem Bereich war gerade im Aufbau von Kirchengemeinde-häusern, Kindergärten, aber auch von Einrichtungen im Bereich der Caritas sehr viel zu tun. Es ist sicher noch nie so viel gebaut worden wie in dieser Nachkriegsphase, bedingt durch die Zerstörungen des Krieges, durch zuströmende Katholiken und die Änderung der Seelsorgskonzepte. Sie haben sich hierbei immer als vorausschauender, aufgeschlossener Planer und geschickter Stratege erwiesen. Beteiligt waren Sie auch an der Gründung des Gemeinnützigen Siedlungswerkes und des Georgswerkes, die der Wohnungsnot gegensteuern sollten. Die Fülle der neuen Institutionen und Aufgaben, die in der damaligen Zeit auf Sie zukamen, auch durch die Verwaltung der zentralen Kirchensteuer, kann hier nicht im einzelnen erwähnt werden. Für alles möchte ich Ihnen sehr herzlich danken.

Erwähnen möchte ich aber noch die Familienarbeit, die Sie neben all Ihrer Belastung sehr intensiv aufgebaut und begleitet haben. Von hieraus ist viel Segen für das Bistum ausgegangen. Dies ist auch in den Texten der Diözesansynode nachzulesen.

1972 wurden Sie Dezernent des neugeschaffenen Dezernates Kirchliche Dienste. Neben den Aufgaben bezüglich der Krankenhausseelsorge und der Beratungsdienste widmeten Sie sich hier besonders Ausländerseelsorge. Hier haben Sie in unserem Bistum Vorbildliches geleistet. Es war ja sicher keine einfache Aufgabe, wenn ich den hohen Ausländeranteil z. B. in Frankfurt betrachte.

Für die Gemeinden wurde vor allem der Bereich der Kindergärten von Bedeutung. Es mußte qualifiziertes Personal gesucht werden für die Arbeit, die bisher von Ordensschwestern geleistet worden war. Auch auf den Aufbau der Sozialstationen in Ablösung der Krankenpflegestationen der Orden sei in diesem Zusammenhang hingewiesen.

1974 wurden Sie Generalvikar. In diese Zeit fiel die Personalplanung für unser Bistum, die Sie tatkräftig unterstützt haben. Diese hat es uns ermöglicht, über all die schwierigen Jahre bis heute, eine gezielte Personalarbeit zu betreiben. Ohne Ihren tatkräftigen Einsatz wäre sicher auch das Wilhelm-Kempf-Haus nicht gebaut worden, das heute eine segensreiche Einrichtung für unser Bistum ist…

Ihr

+ Franz Kamphaus


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