PRO ASYL Presseerklärung | Press Release
22. September 2004
Deutsch-österreichische Arbeitsteilung:
Demontage des europäischen Asylrechts
Otto Schily: EU-Auffanglager in Afrika –
Ernst Strasser: EU-Flüchtlingslager in der Ukraine
PRO ASYL appelliert an Bundestagsabgeordnete: Treten Sie Schilys Plänen entgegen
German-Austrian division of labour: dismantling of European right to asylum
RESSOURCEN
„Asyllager in Nordafrika“ (Faltblatt)
„Asyllager in Nordafrika“ (Faltblatt)
„Die Innenminister von Deutschland und Österreich haben in den letzten Jahren maßgeblich europäische Schutzstandards verwässert und in den Keller gefahren. Nun wollen Otto Schily und Ernst Strasser das individuelle Asylrecht in der erweiterten Europäischen Union völlig demontieren,“ sagt Karl Kopp, Europareferent von PRO ASYL.
Bundesinnenminister Otto Schily hält starr an seiner Idee fest, europäische Asylverfahren zum Teil in nordafrikanische Staaten auszulagern. Inspiriert von Schilys Idee, regte letzte Woche der österreichische Innenminister Ernst Strasser an, in der Ukraine ein EU-Auffanglager für Flüchtlinge und Asylsuchende aus Tschetschenien einzurichten.
„Was auf den ersten Blick wie ein asylpolitischer Amoklauf aussieht, ist ein wohlkalkulierter Versuch, dem individuellen Asylrecht in Europa den Garaus zu machen“, so Kopp. Aus einem individuellen Recht des Flüchtlings soll ein Gnadenakt des Staates werden.
Beide Innenminister forcieren das Outsourcing des europäischen Flüchtlingsschutzes, ohne Rücksicht auf bestehende internationale Schutzabkommen, und vor allem ohne Rücksicht auf die jeweilige Menschenrechtssituation in den geplanten „europäischen Außenstellen“ in Nordafrika und in der Ukraine zu nehmen.
- Ein Blick auf die Situation in Marokko, Libyen, Tunesien und Algerien zeigt, welche Gefahren den Schutzsuchenden drohen. Diese Staaten sind immer noch Herkunftsländer von Flüchtlingen. Zum Beispiel Libyen: Dort sind Hunderte Kritiker und Oppositionelle der Gaddafi-Diktatur verschwunden, gefoltert oder hingerichtet worden. Die Grundfreiheiten sind eingeschränkt, die Todesstrafe gilt für eine ganze Reihe auch kleinerer Straftaten. Libyen hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert und verstößt eklatant gegen internationale Schutzprinzipien.
- In der Ukraine sind Folter und Mißhandlungen noch immer weit verbreitet, vor allem durch Polizeibeamte bei Festnahmen und während Vernehmungen. Die Haftbedingungen entsprechen nicht den internationalen Mindeststandards. In der Empfehlung 1589 (2003) der Parlamentarischen Versammlung des Europarats zum Recht auf freie Meinungsäußerung in den europäischen Medien wird die Ukraine als Negativbeispiel angeführt. Gewalt sei dort weiterhin ein Mittel, um Journalisten einzuschüchtern.
Sowohl der deutsche Innenminister als auch sein österreichischer Kollege planen, ihre „Asylinitiativen“ demnächst im Rat Justiz und Inneres vorzustellen. PRO ASYL appelliert im Vorfeld des EU-Innenministertreffens am 30. September 2004 an Politiker aller Bundestagsparteien Schilys Plänen entgegenzutreten: „Setzen Sie sich auf europäischer
Ebene für ein gemeinsames Asylsystem ein, das jedem Schutzsuchenden in der EU und an den Außengrenzen künftig zumindest ein faires Asylverfahren in einem Mitgliedstaat gewährt“, so Kopp abschließend.
Europareferent von PRO ASYL
Vorstandsmitglied von ECRE, dem Europäischen Flüchtlingsrat
Hinweis: Das Faltblatt „Asyllager in Nordafrika“ können Sie auf unserer Homepage abrufen.