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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1969 ::: ARCHIV KIRCHE 1969 :::
Buchbesprechungen 27. Oktober 1969

Buchbesprechungen
kath. Theologie und Kirche

Josef Thomé
Der mündige Christ
Katholische Kirche auf dem Wege der Reifung
Frankfurt 1968, 192 Seiten

Das Schicksal des Buches „Der mündige Christ“ von Josef Thomé spiegelt auf exemplarische Weise ein Stück Kirchengeschichte wieder. Im Kriegsjahr 1940 verfaßt, bekam es erst im Jahre 1949 die kirchliche Druckerlaubnis. Nachdem dann die erste Auflage vergriffen war, wurde es 1955 indiziert. Wenn es jetzt im Knecht-Verlag herauskommt, kann ihm nur noch die „Bauchbinde“ den Ruch des vormals Verbotenen verleihen. Als das Buch verfaßt wurde, entsprach es noch nicht dem allgemeinen kirchlichen Problembewußtsein; als seine Gedanken dringend benötigt wurden, blieb es unzugänglich. Jetzt ist seine Zeit fast vorbei; dennoch bleibt es lesenswert.

Thomé geht von dem Gedanken aus, daß in der Kirche endlich die Nachreifung zum Individualismus erfolgen müßte, die die Gesellschaft schon längst vollzogen hat. Wenn auch die Kirche bislang eine Meisterin der Menschenführung gewesen ist, so hat sie ihre größten Erfolge doch nur mit Menschen einer ursprünglichen Naivität, die in einer vorindividuellen Urgemeinschaft lebten, gehabt. Das Ziel darf aber nur der mündige Christ sein, der die positiven Elemente des Individualismus übernimmt und zu einer zukunftsträchtigen „Wirhaftigkeit“ findet. Sie ist eine Absage ebenso an einen Individualismus, der alle Bindungen auflöst, wie an einen Kollektivismus, der das Individuum wieder einzuschmelzen droht.

Testfälle der Mündigkeit ‚sind die Auseinandersetzungen um die Enzyklika „Humanae vitae“, den priesterlichen Zölibat und nicht zuletzt auch um den „Holländischen Katechismus“.


Sartory
Strukturkrise einer Kirche
Katholische Kirche auf dem Wege der Reifung
München 1969, 171 Seiten

Mit der Enzyklika über die Geburtenregelung befassen sich in ehelicher Eintracht Thomas und Gertrude Sartory. Der Titel ihres für den Deutschen Taschenbuchverlag geschriebenen Beitrages „Strukturkrise einer Kirche“ ist weniger treffend als der Untertitel „Vor und nach der Enzyklika ‚Humanae vitae'“; denn es wird in geschichtlicher Abfolge der komplizierte Weg aufgezeigt, der zu diesem bejubelten und abgelehnten Rundschreiben führte, angefangen bei der von Augustinus verteufelten Sinneslust bis hin zu der personalen Schau der Sexualität durch das II. Vatikanische Konzil. Im letzten Kapitel des Buches wird schließlich die kirchliche Strukturkrise besprochen, die dadurch ausgelöst wurde, daß es in der Kirche immer noch ein Denksystem gibt, „das“ – so wörtlich, “ dem Papst erlaubt, ja das ihn geradezu veranlassen kann, im Alleingang und weithin ‚gegen die Kirche‘ sein eigenes moraltheologisches Urteil als ein göttlich legitimiertes der gesamten Kirche als bindend auferlegen zu wollen“.


Roy/Ingram
Ein Modell von Kirche?
Dokumentation zu den Vorgängen in der Amsterdamer Studentenpfarrei 27.Oktober 1968 bis 6.Februar 1969
Düsseldorf 1969, 274 Seiten

Einen weiteren Testfall der Mündigkeit stellt der Versuch des Amsterdamer Studentenpfarrers Jos Vrijburg dar, trotz angezeigter Verlobung seine priesterlichen Funktionen auszuüben. Die Auseinandersetzung, die sich aus diesem Versuch entwickelte, erwies sich als bedeutungsvoll nicht für die holländische Kirche allein, sondern auch für die Weltkirche. Die Predigten, die in diesem Zusammenhang gehalten wurden, die Stellungnahmen und Interviews von Bischöfen, Theologen und Laien verdienten es daher, in einer Dokumentation zusammengefaßt zu werden. Die deutsche Ausgabe ist unter dem Titel „Ein Modell von Kirche?“ im Patmos-Verlag erschienen und enthält neben den gesammelten Verlautbarungen eine umfangreiche Einführung von Roy und Ingram. Man kann über Anlaß und Ergebnis dieser Auseinandersetzung geteilter Meinung sein, aber der Art und Weise, wie sie vom Episkopat und den Studentenpfarrern geführt wurde, kann man schwerlich seinen großen Respekt versagen. Wie trotz erheblicher Gegensätze der Dialog geführt wurde, offenbart besten Konzilsgeist. Von diesem Gesprächsstil allein her wird verständlich, warum der holländischen Kirche im Augenblick eine führende Rolle in der Kirche zufällt.


Report über den Holländischen Katechismus
Dokumente Berichte Kritik
Freiburg – Basel – Wien 1969, 230 Seiten

Ein „Report über den Holländischen Katechismus“, der im Herder-Verlag erscheint, erinnert uns daran, daß dieses wichtige Buch nur nach beachtlichen Schwierigkeiten den deutschen Leser erreichte; natürlich enthält dieser Report, der in Zusammenarbeit mit dem Katechetischen Institut Nijmegen entstanden ist, nicht nur diese an sich überflüssige Episode, sondern alle wichtigen Berichte über die inner- und außerkirchliche Aufnahme des Buches. Wie aktuell dem Herder-Verlag der Holländische Katechismus heute noch vorkommt, zeigt er überdies damit, daß er einen Erfahrungsbericht über die Arbeit mit dem Katechismus veröffentlicht, den die beiden Jesuiten Bless und van Leewen zusammengestellt haben, und der den Tittel trägt: „Bildungsarbeit mit dem Holländischen Katechismus.“ Das Buch enthält neben den Erfahrungen auch auf den Katechismus abgestimmte Predigten und einen Leseplan, der sich dem Kirchenjahr anpaßt.


Edward Schillebeeckx (Hrsg.)
Christentum im Spannungsfeld
von Konfessionen, Gesellschaft und Staaten
Freiburg – Basel – Wien 1968, 154 Seiten

Da wir uns so ausführlich mit der holländischen Mentalität befassen, kann hier auch noch das Buch des Herder-Verlages erwähnt werden: „Christentum im Spannungsfeld von Konfessionen, Gesellschaft und Staaten.“ In ihm sind Beiträge führender ökumenischer Theologen gesammelt. Zwei Zitate mögen für den Inhalt aller Beiträge stehen: Das eine von Schillebeeckx: „Als Sakrament hat die Kirche demnach den Auftrag, sichtbar in der Geschichte vorzuleben, was in der gesamten Menschheit innerlich bereits wirksam ist, aber noch nach einer konkreten äußeren Form sucht.“ Das zweite Zitat stammt von dem langjährigen Generalsekretär des Ökumenischen Weltkirchenrates Vissert Hooft: „Dank unserer Erfahrungen der letzten Jahre erscheint uns die Möglichkeit eines gemeinsamen Auftretens der Kirchen in der Welt nicht mehr allzu fern.“


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