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Buchbesprechung 1969

Buchbesprechung
kath. Theologie und Kirche

CONCILIUM
Um die Zukunft der Liturgie
Heft 2, 1969

Tat man gut daran, die römische Liturgie zu verändern, oder wäre es von vorneherein nicht aussichtsreicher gewesen, den Weg ganz neuer Formen für den Gottesdienst zu beschreiten? Diese Fragen stellen sich immer unausweichlicher, nachdem man Erfahrungen mit der einheitlich verordneten Reform gemacht hat. Es ist einigermaßen deutlich geworden, daß weder die Übersetzung der liturgischen Texte in die Muttersprache, noch die Veränderung einiger Zeremonien den Anspruch eines zeitgemäßen Gottesdienstes erfüllen können. Die Taktik der kleinen Schritte führt nicht zum Ziel. Es muß sehr viel unbefangener darauf eingegangen werden, wie das „aggiornamento“ des Gottesdienstes auszusehen hat.

Diese Unbefangenheit läßt sich in hohem Maße in der Februarnummer der theologischen Zeitschrift „Concilium“ finden, in der es „Um die Zukunft der Liturgie“ geht. In den verschiedenen Beiträgen mit Themen wie etwa „Liturgiekrise und Religionskritik“, „Wandel und Verbindlichkeit liturgischer Formen“, „Liturgietexte für den Menschen von heute“, „Bedarf die Liturgie noch der Musik“ zeichnet sich eine Richtung ab, die für die Reform viel mehr verlangt, als bisher zugestanden wurde. Diese Richtung gewinnt noch an Eindeutigkeit durch die Entwicklungen in der nichtkatholischen Christenheit.

Wenn auch als absolut unwandelbar die Notwendigkeit herausgestellt wird, daß die Kirche ihr Leben in den gottesdienstlichen Grundfunktionen von Verkündigung und Sakrament vollzieht, bleibt ihr doch ein großer Spielraum für die Realisierung. Dieser Spielraum ist nicht abgesteckt durch die römische Liturgie. Wenn man das über lange Zeiträume in der lateinischen Kirche geglaubt hat, so ist man schuld daran, daß die Gottesdienste so unlebendig geworden sind, und ganze Generationen an der Liturgie vorbeilebten. Die Wahrung der Tradition ist aber nicht gleichzusetzen mit der Konservierung eines bestimmten Stiles, oder auch einer bestimmten Mentalität. So fordert ein italienischer Theologe, Direktor des päpstlichen liturgischen Institutes, daß man um der Bewahrung der wirklichen Tradition willen, die lateinische Komponente unseres Gottesdienstes mit der Geistigkeit, die dahintersteckt, fallenlassen soll. Nach ihm geht es mehr darum, „der Zukunft die Türe zu öffnen, als ein Erbe der Vergangenheit zu wahren.“

In dem Artikel „Bedarf die Liturgie noch der Musik“ ist es dann ein Musikwissenschaftler, ebenfalls italienischer Herkunft, der für eine Liturgiefeier von morgen fordert, daß sie sich ohne Ironie und Widersprüche in das Programm unserer Wochenende einfügen lassen müßte. Das bedeutet u.a. weniger strenge Feierlichkeit als ungezwungene Festlichkeit. Damit ist keiner billigen Anpassung an die heutige Zeit das Wort geredet, sondern einer notwendigen Verbindung mit der Wirklichkeit, ohne die die kirchliche Gemeinschaft auf die Dauer den Boden unter den Füßen verliert. Unter diesem Aspekt ist die Liturgiekrise eine Existenzkrise der Kirche.


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