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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1971 ::: ARCHIV KIRCHE 1971 :::
Buchbesprechung 10. April 1971

Buchbesprechung
kath. Theologie und Kirche

Rupert Lay
ZUKUNFT OHNE RELIGION?
Die Welt vermenschlichen?
Ein Problem für den Marxismus und das Christentum
Olten, Freiburg, 1970, 203 Seiten

Eine Zukunft ohne Religion kann sich Rupert Lay nur als eine grausige Möglichkeit vorstellen, bei der der Mensch in seinem Suchen nichts anderes mehr findet als sich selbst. Hoffnungslos, neurotisiert, eindimensional konsumorientiert, in seinem Erbgut manipulierbar wird der Mensch „diese Welt zur Hölle machen oder sie zerstören“. Lays Vision geht auf eine menschliche Welt, die religiöser Natur ist. Er zitiert Teilhard de Chardin, der 1952 in einem Brief geschrieben hatte: „Tatsächlich ist unser Jahrhundert wahrscheinlich religiöser als alle anderen….Nur hat es noch nicht den Gott gefunden, den es anbeten könnte.“

Der Gott der bisherigen Religiosität hat sich im Laufe der Jahrtausende abgenützt. Er ist zu sehr ein Gott des Jenseits gewesen. Daran hat auch das Christentum wenig geändert. Lay bezeichnet sogar die mit dieser Gottesvorstellung verbundene Trennung von Diesseits und Jenseits als die „folgenschwerste Häresie des Christentums“. Die Welt sei damit zu einer entgotteten und schlechten Welt geworden. Das religiöse Handeln habe sich folgerichtig nicht auf die Veränderung der Welt sondern auf die Ablösung von ihr eingestellt. Die Diesseits-Jenseitskategorie führt Lay, insofern sie Raumvorstellungen einschließt, auf Vorstellungszwänge zurück, die von unseren Affenahnen stammen und die es allmählich zu überwinden gilt.

Der Gott der Christen ist kein jenseitiger Gott, sondern der Gott dieser Welt. Der Himmel ist nicht das Jenseits, „sondern das in Gottesreich verwandelte `Diesseits´“. Der Mittelpunkt der Predigt Jesu ist die Botschaft vom Gottesreich, als der Welt, die voll erlöst ist und die den Höhepunkt ihrer Evolution erreicht hat. Daher wird das Versagen der Christen an dieser Welt zu einem Versagen am Gottesreich.

Lay, der Marx den größten Humanisten der Neuzeit nennt, dankt dem Marxismus dafür, daß er das Christentum von vielen falschen Idealen befreit habe. Vor allem werde durch ihn die ärgste und laxeste Häresie des Christentums, nämlich die von den zwei Welten als Entfremdung entlarvt. Inzwischen haben die Christen von den Marxisten, wie überhaupt von den Atheisten einiges gelernt. Dazu gehört die Fähigkeit, wieder eine große Hoffnung zu haben, nachdem die landläufige Eschatologie mehr Angst als Freude geweckt hatte. Weiterhin hat der Atheismus neuerer Prägung dazu beigetragen, den Heilsindividualismus zu überwinden. Heil ist keine Privatsache mehr, sondern wird nur in Gemeinschaft erreicht und erfüllt. Nicht zuletzt hat die Christenheit in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Atheismen ihre Verantwortung gegenüber der Welt neu entdeckt.

Die neue Welt, das unüberholbare Reich kommt aber nach Rupert Lay niemals durch die Kunst des Menschen, sondern „nur durch Gnade, nur durch Realisation der göttlichen Liebe.“ Diese Überzeugung hätten die Christen in den heutigen Wandlungsprozeß einzubringen.


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