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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1969 ::: ARCHIV KIRCHE 1969 :::
Buchbesprechungen 13. November 1969

Buchbesprechungen
kath. Theologie und Kirche

Ludwig Bertsch
Buße und Beichte
theologische und seelsorgerliche Überlegungen
Frankfurt 1967, 120 Seiten

Wenn die Katholiken jetzt seltener beichten, haben sie auf ihre Weise Konsequenzen gezogen, die die Theologie – wie könnte sie es auch – nicht vorausgeplant hatte. Jetzt obliegt es ihr, nach den Gründen für dieses veränderte Verhalten zu suchen, wie es Ludwig Bertsch in seinem Beitrag für das Buch „Buße und Beichte“ aus dem Knecht-Verlag unternimmt. Danach ist „Sünde“ bislang zu formalistisch und unpersönlich aufgefaßt worden, weiterhin ist das Verständnis der Sünde als Beleidigung Gottes im Schwinden begriffen, schließlich wird eine von der Kirche geübte Sündenvergebung als problematisch empfunden.

Der Aufsatz von Bertsch ist flankiert von Beiträgen Otto Semmelroths und Bruno Schüllers. Für Schüller, der sich auf den Sündenbegriff einläßt, geht es dabei speziell um ein angemesseneres Verständnis der sogenannten Todsünde wie auch der läßlichen Sünde. Erstere ist die totale Weigerung des Menschen, seine Existenz als Geschenk von Gott anzunehmen, letztere ist eine periphere Entscheidung, die zurückzunehmen der Mensch sich vorbehält, Daß der Mensch zu einer radikalen Entscheidung gegen Gott und damit gegen sein Heil fähig ist, ergibt sich für Schüller unbezweifelbar aus der biblischen Offenbarung. Diese wird aber unzulänglich ausgerichtet, wenn ihr eigentlicher Gehalt, nämlich die umfassende Vergebungsmöglichkeit, nicht als das Primäre verkündigt wird. Ergänzend dazu stellt Semmelroth heraus, daß Vergebung nicht nur eine Komponente auf Gott hin hat, sondern auch auf die kirchliche Gemeinschaft. Die Versöhnung mit ihr ist das sakramentale Unterpfand der Versöhnung mit Gott.


Alois Winklhofer
Kirche in den Sakramenten
Frankfurt 1968, 325 Seiten

Die hier vorgenommene Betonung der kirchlichen Komponente bei einem Sakrament überträgt Alois Winklhofer auf alle Sakramente. In seinem bei Knecht verlegten Buch „Kirche in den Sakramenten“ sagt er, daß die Sakramente zum Leben der Kirche gehören wie der Schlag des Herzens zum menschlichen Leben. Daher möchte er sie davor bewahren, daß sie zu seltsamen Riten verkümmern oder als automatische Gnadenvermittler angesehen werden. Dieser Gefahr ist dann zu begegnen, wenn man den Blick nicht nur auf das zu setzende Symbol und sein Deutewort richtet, sondern auch die entscheidende persönliche Funktion von Spender und Empfänger mit berücksichtigt. Sie treten bei jedem Sakrament in ein besonderes Verhältnis zueinander, das Winklhofer folgendermaßen beschreibt: „Spender und Empfänger eines Sakramentes tun sich zu einem in der Ehe unauflöslichen, in den anderen Sakramenten zu einem vorübergehenden Bund zusammen, mit ihrem jeweiligen Beitrag… In diesem Bund stellen der Spender Christus, der Empfänger die Kirche dar, und in diesem Bund ist Kirche gegenwärtig in der Kraft des sakramentalen Zeichens.“

Das Buch setzt im Grunde ein ungebrochenes Verhältnis des heutigen Menschen zu Kirche, Kult und Sakramenten voraus. Da dies aber wohl nicht mehr vorhanden ist, darf man sich nicht wundern, wenn man die im Vorwort verheißenen kühnen, ja sogar gewagten Gedankengänge schwerlich entdeckt.


Hans Bernhard Meyer
Zeitprobleme – christlich gesehen
Stuttgart 1970, 192 Seiten

Noch weniger kühn wirken die Antworten von Hans Bernhard Meyer auf Fragen, die Leser der österreichischen Wochenzeitung „Der Volksbote“ an die Redaktion gerichtet hatten. Es wird biedere Hausmannskost geboten, die vom Charakter der überholten oder sogar abwegigen Fragen bedingt zu sein scheint. Welchen Horizont kann ein Theologe Lesern gegenüber aufreißen, die fragen: „Gibt es Stimmen aus dem Jenseits?“ „Reform der Ordenstrachten – ja oder nein?“; „Soll ich in der Fronleichnamsprozession mitgehen?“ oder: „Darf ich mir ein Horoskop stellen lassen?“ Immerhin hat sich der Schwabenverlag einen hinlänglich großen Leserkreis versprochen, wenn er die Sammlung der Fragen und Antworten als „Zeitprobleme – kritisch gesehen“ herausgibt.


Paulus Gerhard Wacker
Hat unser Glaube noch Chancen?
Paderborn 1969, 191 Seiten

Mögen dieser Art Fragen auch noch einen Großteil von Gläubigen beschäftigen, so geht es doch mittlerweile um nichts weniger, als was ein Buchtitel des Schöningh-Verlages ausdrückt: „Hat unser Glaube noch Chancen?“ Das Buch umfaßt Referate von Paulus Wacker mit den Themen: „Ändern sich die Dogmen?“ „Kirche und Lehramt – Hindernis oder Hilfe meines Glaubens?“ „Muß die Kirche konservativ sein?“ Dabei spricht er von einem „dynamischen, ja schöpferischen Bewahren“, von einem Traditionsbewußtsein, das immer schon Mut zum Fortschritt und kritische Auseinandersetzung mit dem Hergebrachten einschließt. Das Buch schließt bezeichnenderweise mit dem Abdruck der Eingabe, die namhaft Theologen an den Papst gerichtet hatten, um für die Freiheit der Theologen und der Theologie zu plädieren.


Josef Blank u.a.
Weltpriester nach dem Konzil
München 1969, 175 Seiten

Diese Freiheit nehmen sich die Autoren der beiden folgenden Bücher, die ohne kirchliche Druckerlaubnis erschienen sind. Zunächst ein Tagungsbericht, den der Kösel-Verlag unter dem Titel „Weltpriester nach dem Konzil“ verlegt. Der erste und wohl auch wichtigste Beitrag dieses Buches stammt von dem Exegeten Josef Blank. Er geht auf die Frage ein, ob der Begriff „Priester“ für den damit bezeichneten kirchlichen Leitungsdienst angemessen ist. Nach ihm ist es von der Bibel her nicht gerechtfertigt, diesen kultisch-ritual belasteten Begriff zu verwenden. Dem heutigen Verständnis der kirchlichen Leitungsfunktion ist er ebenso wenig angemessen. So kann Blank sagen: „Dieser Heilsdienst an der heutiger Welt ist aber wirkungsvoll vom traditionellen Verständnis des Ordo her nicht mehr zu leisten, und zwar weil dieser noch immer vorherrschend an der Kultgemeinde orientiert ist, dagegen nicht am Modell der Kirche in der Welt und für die Welt.“

Diese Ausführungen finden eine vorzügliche Ergänzung aus der soziologischen Perspektive durch Osmund Schreuder. Wenn die Kirche beweglicher werden will, muß sie von der einseitig traditionell und juridisch aufgefaßten Autorität abgehen, ebenso von einer Machtkonzentration an der Spitze. Nicht weniger wichtig ist es außerdem, die durch hierarchische Einflüsse verstopften Kommunikationskanäle von unten nach oben und von oben nach. unten zu reinigen und zu öffnen.

Weitere Beiträge stammen von Rahner, Klostermann und dem Psychologen Görres, der mit quengeligen Ausfällen gegen die moderne Theologie aufwartet.


Thomas und Gertrude Sartory
In der Hölle brennt kein Feuer
München 1968, 214 Seiten

Die also angegriffene moderne Theologie wird nun von Thomas und Gertrude Sartory voll und ganz aufgenommen und verarbeitet in ihrem Buch aus dem Kindler-Verlag „In der Hölle brennt kein Feuer“. Man lasse sich nicht durch den schlecht gewählten Titel irritieren. Zwar wird das Höllenthema ausgiebig behandelt, es ist aber mehr der Anlaß, um einen Überblick über den Stand einer Theologie zu geben, die auch in der katholischen Kirche immer mehr en Boden gewinnt.

So beginnen die Autoren damit, das Fortleben einer unsterblichen Seele und die leibliche Auferstehung als Inbegriff dessen, was für den Christen nach dem Tode kommt, in Frage zu stellen. Nach ihnen gehören die Auferstehung des Leibes und die Unsterblichkeit der Seele nicht zu den Vorstellungen, mit denen der Glaube steht und fällt. „Die Größe des Christentums“, so heißt es auf Seite 56, „ist nicht, daß es jeden Menschen für unsterblich erklärt, sondern jeden Menschen für fähig hält, ein ewigkeitsträchtiges Leben zu leben.“ Ergänzend steht auf Seite 208: „Ewiges Leben ist nicht etwas Futurisches, ein Jenseitszustand, der erst nach dem Tode beginnt, sondern qualifiziert das Leben eines Menschen als von göttlichen Antrieben (zu der ‚Liebe‘) bestimmt.“ Damit bedarf es für die Auferstehung Christi und erst recht für die Hölle einer entsprechenden Interpretation: d.h. für den Höllenglauben gibt es nur eine Möglichkeit, sich nämlich von ihm zu distanzieren, zumal Jesus am Thema „Hölle an sich“ nicht interessiert gewesen zu sein scheint.

Thomas und Gertrude Sartory wagen sich weit vor, für viele sicher zu weit. Ihr Vorgehen kann kaum besser charakterisiert werden als durch ein Zitat des Theologen Gregory Baum, das gegen Ende des Buches, wo es um das Lehramt und die Einheit des Glaubens geht, angeführt wird: „Der katholische Theologe von heute ist entschlossen, sich auf bestimmte theologische Forschungen versuchsweise einzulassen, wenn auch einige seiner Ergebnisse und Schlußfolgerungen möglicherweise nicht mit der offenkundigen Meinung des letzten Konzils oder auch päpstlicher Enzykliken in Einklang stehen“


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