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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1969 ::: ARCHIV KIRCHE 1969 :::
Buchbesprechungen 1969

Buchbesprechungen
kath. Theologie und Kirche

Gerhard Schmidtchen
Gibt es eine protestantische Persönlichkeit?
Zürich 1969, 49 Seiten

Katholiken unterscheiden sich nicht unerheblich von Protestanten, so daß von einem katholischen respektive einem protestantischen Lebensstil gesprochen werden kann. Zu diesem Ergebnis kommt Gerhard Schmidtchen in einem Vortrag mit dem Thema „Gibt es eine protestantische Persönlichkeit?“

Dieser Vortrag erscheint in der Reihe Arche Nova des Verlages Die Arche Zürich. Danach sind Protestanten neugieriger als Katholiken, neigen eher zu Ordnungstätigkeiten, werden leichter von Fernweh gepackt und fühlen sich stärker von sozialen Utopien angesprochen. Diese und ähnliche Feststellungen belegt Schmidtchen nicht nur mit soziologischen Untersuchungsergebnissen, sondern erklärt sie auch mit weltanschaulichen Gegebenheiten. Der Protestant sei viel mehr auf sich selbst verwiesen und müsse von Fall zu Fall entscheiden, während sich der Katholik eher von der kirchlichen Gemeinschaft und ihrer Autorität getragen wisse.


Albert Brandenburg
Martin Luther gegenwärtig
katholische Lutherstudien
München 1969, 159 Seiten

Einmal mehr zeigen sich in diesen Unterschieden die verborgenen Nachwirkungen der Reformationstat Martin Luthers. Gleichwohl kann, wie der katholische Theologe Albert Brandenburg in seinem bei Schöningh verlegten Buch, „Martin Luther gegenwärtig“ hervorhebt, von einer Eindeutigkeit der Interpretation Luthers und seines Werkes weder bei Protestanten noch bei Katholiken die Rede sein. Der Band enthält mehrere Studien zur Theologie Luthers und einen längeren Forschungsbericht über die zahlreichen Luther-Interpretationen. Dabei spricht Brandenburg von einer wahren Entdeckerfreude der katholischen Forscher in bezug auf Luther. Das wird umso verständlicher, als das II. Vatikanische Konzil Grundanliegen Martin Luthers integriert hat. Hierfür zitiert Brandenburg den bekannten Kirchengeschichtler Joseph Lortz: „Diese katholische Kirchenversammlung hat unter denkbar liberaler, so bisher nirgends realisierter Mitarbeit evangelischer Theologen, Luther, ohne ihn zu nennen, in vielen seiner Anliegen zum Siege kommen lassen. Das ist eine schlechthin epochemachende Wende.“


Karl Gerhard (Hrsg.)
Luther für Katholiken
München 1969, 409 Seiten

In diese Phase der Aneignung paßt eine Sammlung von Schriften Martin Luthers, die der protestantische Theologe Karl Gerhard Steck im Kösel-Verlag unter dem Titel „Luther für Katholiken“ herausgibt. Steck begründet den gewählten Titel damit, daß Luther eigentlich immer nur für Katholiken geschrieben habe, und zwar gerade der Luther von und seit 1517. Der Leser soll anhand der polemischen Schriften, denen der Herausgeber einen besonders hohen Erkenntniswert beimißt, den letzten großen Versuch erleben, „die alte Wahrheit der Christenheit“, wie es in der Einleitung heißt, „auf eine neue, seiner Gegenwart angemessenen und verständlichen Weise zu sagen, während die Christenheit seither dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen war.“

Den meisten Raum in diesem Buch nehmen Luthers Äußerungen zu Messe und Abendmahl ein. Dazu schreibt Steck: „Am Aufbruch des neuen Konzilskatholizismus, für den der eucharistisch-sakramentale Bereich ja sehr wesentlich ist, müßte sich ergeben, ob zwischen Luthers ursprünglichen Einsichten und Anliegen in der Sakramentsfrage und dem, was der ganzen Christenheit hier neu aufgegeben ist, eine fruchtbare Verbindung herzustellen ist.“


Theodor Schneider
Gewandeltes Eucharistieverständnis?
Einsiedeln 1969, 62 Seiten

Wer Luthers diesbezügliche Texte und entsprechende katholische Literatur liest, kann beachtliche Verbindungslinien feststellen. Als Beispiel eine Veröffentlichung des Benziger-Verlages „Gewandeltes Eucharistieverständnis“ von Theodor Schneider: Er kommt auf die Kritik Luthers an der Messe zu sprechen, ordnet sie als die entscheidende Bemühung ein, die ursprüngliche Reinheit der Einsetzung des Herrn gegen alle späteren Wucherungen zurückzuerobern. Nach einem überstarken Anbetungskult komme die katholische Kirche wieder zu dem schlichten Verständnis des Herrenmahles zurück, bei dem die brüderliche Gemeinschaft in Christus ihren tiefsten Ausdruck findet.


Bertsch/König/Kalteyer
Eucharistie und Buße der Kinder in der Gemeinde
Frankfurt/Main 1969, 282 Seiten

Aus dieser Sicht ist das Werkbuch von Bertsch-König-Kalteyer „Eucharistie und Buße der Kinder in der Gemeinde“ geschrieben. Es erscheint im Verlag Josef Knecht und bietet neben einem theoretischen Teil, in dem die Rolle der Eltern als Erzieher zum Glauben stark hervorgekehrt wird, konkrete Hinweise für den Unterricht, für Wortgottesdienste und Elternabende. Als Ergänzung dazu sind Werkblätter für die Kinder und für die Eltern Briefe und Werkbogen beigefügt. Die konsequente Ausrichtung der Unterweisung auf die christliche Gemeinschaft verschafft dem Werkbuch einen beachtlichen Vorsprung vor anderen Arbeitshilfen, die sich nur ungenügend von einer individualistischen Sicht von Buße und Eucharistie befreit haben.


Günter Stachel
Die neue Hermeneutik
Ein Überblick
München 1968, 155 Seiten

Was das Verhältnis der katholischen Theologie zur Reformation betrifft, so verdankt sie ihr besondere Impulse für die Auslegung der Schrift. Auf diesem Gebiet besteht noch ein großes Gefälle. Wenn daher Günter Stachel „Die neue Hermeneutik“ beschreibt – so lautet auch ein Buchtitel aus dem Kösel-Verlag -, so muß er im wesentlichen über nichtkatholische Entwürfe einer Lehre von der Auslegung der Schrift informieren. Wo es schließlich um die katholische biblische Hermeneutik geht, besteht deren Aufgabe darin, „den Problemstand der evangelischen Hermeneutik ins Katholische zu übersetzen.“ Den besonderen katholischen Beitrag für die Hermeneutik sieht Stachel in der Betonung der Funktion, die die Kirche für die Schriftauslegung hat.


Günther Schiwy
Weg ins Neue Testament
Paulusbriefe. Kommentar und Material
Würzburg 1968, 418 Seiten

Zum Schluß noch ein Hinweis auf eine katholische Auslegung der Paulusbriefe. Im Rahmen des Kommentarwerkes aus dem Echter-Verlag „Weg ins Neue Testament“ hat Günther Schiwy für den dritten Band die Paulusbriefe übernommen. Es handelt sich um einen auf den neuesten Erkenntnissen aufbauenden Kommentar, der den biblischen Text fortlaufend paraphrasiert und zum besseren Verständnis ergänzt. Besonders wichtig sind häufig Einschübe, die Originaltexte aus der christlichen, jüdischen und hellenistischen Welt der damaligen Zeit bringen. Schneller und gründlicher als durch langatmige Erklärungen findet man sich durch sie in die geistige Umgebung von Paulus versetzt. Diese Texte sind für den aufmerksamen Leser, gerade, wenn er kein Experte ist, ein nützlicher Ersatz für eine umfangreiche Literatur.


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