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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1976 ::: ARCHIV KIRCHE 1976 :::
7. Juni 1976

Buchbesprechungen
kath. Theologie und Kirche

HESSISCHER RUNDFUNK
Frankfurt/Main
2. Hörfunkprogramm (HR2)
Redaktion: Norbert Kutschki

Gerd Domann / Peter Lippert
VERSÖHNUNG – ENDE DER KONFLIKTE?
Limburg, 1975, 115 Seiten

Wenn es einem Rezensenten zustünde, Pflichtlektüre zu verordnen – man entschuldige den autoritären Tonfall -,würde ich Bischöfen, Ordinariats- und Oberkirchenräten das Buch „Versöhnung Ende der Konflikte?“ von Gerd Domann und Peter Lippert zwischen die Aktenberge legen; obendrein ließe ich es, damit es gelesen würde, mit dem Stempel „streng vertraulich“ versehen. Die Kirchenführer müßten nicht einmal alle 115 Seiten studieren; die ersten 45 Seiten genügten. Dort versucht Domann die sozialen Konflikte, wie sie in jeder Gemeinschaft naturnotwendig auftreten zu „rehabilitieren“, d.h. sie in ihrer aufbauenden Funktion herauszustellen.

Normalerweise werden Konflikte in einer Gruppe, Gemeinschaft oder Organisation als Störung empfunden. Das ist in der Kirche nicht anders. Wer so denkt, kann sich nach Domann sogar auf eine ganz Gruppe von Sozialwissenschaftlern berufen. In ihrer Sicht ist jeder Konflikt als eine Krankheit anzusehen, die es zu bekämpfen gilt. Wer Konflikte heraufbeschwört, ist ein Störenfried und Abweichler. Besonders ausgeprägt ist diese Auffassung in paternalistischen und autoritären Sozialsystemen, die Sozialkonflikte kaum anders denn als Störungen interpretieren können.

Ganz anders urteilt eine andere Gruppe von Konflikttheoretikern, denen sich der Autor anschließt. Sie werten den Konflikt als einheitsstiftende und stärkende Kraft der Gemeinschaft, als Chance der Veränderung, als „Motor des Lebens“. Daher kommt es nicht in Frage, Kritiker und Opponenten aus der Gruppe zu entfernen oder sie gar zu liquidieren. Sie dürfen auch nicht moralisch abqualifiziert und mit Gewalt unterdrückt werden. Fraktionsbildungen, die Minderheiten isolieren, scheiden genauso aus wie faule Kompromisse. Die Gemeinschaft muß vielmehr versuchen, einen entstandenen Konflikt als Anruf zur Reflexion ihrer Situation zu verstehen. Diese Reflexion fordert einen partnerschaftlichen Dialog, in dem nicht die konfliktärmste sondern die bestmögliche Lösung gesucht wird.

Die Grenzen einer Konfliktlösung sieht Domann dort erreicht, wo die Mitglieder einer Gruppe sich nicht mehr auf die gleichen Ziele verpflichtet fühlen. Für diesen Fall ist eine Trennung der Konfliktparteien nicht auszuschließen. Aber, wann geht es schon um einen Zielkonflikt oder die Aufgabe der gemeinsamen Basis? Weitaus vorherrschend sind Auseinandersetzungen um die besten Wege, Mittel und Methoden, um das allgemein akzeptierte Ziel zu erreichen. Das bedeutet aber keine Gefahr für den Bestand der Gemeinschaft.

Ungeübte Konfliktstrategen übersehen aber nicht nur den Unterschied zwischen Ziel- und Methodenkonflikten, sondern auch den zwischen zwei anderen Typen: so sind sorgsam auseinanderzuhalten der sachlich bedingte, soziale Konflikt und der Konflikt, der innerseelisch begründet ist. Ersterer läßt sich auch auf sachliche Weise lösen, bei letzterem bedarf es zur Überwindung fachkundiger Therapie. Er stellt sich zwar als Sachkonflikt dar, verbirgt aber „unter einen dünnen Schicht von Argumenten den latenten Konflikt mit dem eigenen Vater“. Der scheinbare Kampf um die Wahrheit entpuppt sich für den, der es durchschaut, als Kampf mit den Autoritäten, die als Vaterfigur herhalten müssen. Aber die „Väter“ besonders die hierarchisch abgeleiteten, merken es nicht, sie sind genauso hilflos wie ihre unausgereiften „Söhne“.

Soweit Band 24 der Reihe Offene Gemeinde aus dem Lahn-Verlag Limburg.

Hermann Mayer
AUF DER SUCHE NACH SINN UND HOFFNUNG
Limburg, 1975, 103 Seiten

Zum Schluß nur noch ein kurzer Hinweis auf Band 26. Hier holt Hermann Mayer „Auf der Suche nach Sinn und Hoffnung“ – so sein Titel – wie ein guter Hausvater Neues und Altes aus der Schatztruhe und zwar für Glaubensgespräche im kleinen Kreis. Als Anregung für den Dialog behandelt er in knapper Form Themen, wie sie wohl in kirchlichen Gruppierungen der 70er Jahre gewünscht wurden und werden.


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