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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1967 ::: ARCHIV KIRCHE 1967 :::
Buchbesprechungen 18. Juli 1967 (C)

Buchbesprechungen
kath. Theologie und Kirche

Johannes B. Lotz
Einübung ins Meditieren am Neuen Testament
Frankfurt a.M. 19652,278 S.

Der Boom in streng- und populärwissenschaftlicher Bibelliteratur birgt die Gefahr in sich, daß sich die Beschäftigung mit der Schrift in theoretischen Überlegungen erschöpft. Damit gerät man wohl an die Schrift, aber nicht – wenn ich so sagen darf – in die Schrift. Daher sind Bücher notwendig, die aus dem innerlichen Umgang mit der Schrift kommen und zu einem solchen Umgang anleiten. Dieser Art Anleitung will die „Einübung ins Meditieren am Neuen Testament“ ‚aus dem Josef Knecht-Verlag dienen. Johannes B. Lotz legt darin Meditationsübungen vor, die alle in ihrer Art am Neuen Testament orientiert sind. Besonderes Interesse verdient dabei der Versuch, auch die Bildmeditation in diesen Kreis miteinzubeziehen. Den Übungen, die in der Tradition des Exerzitienbüchleins von Ignatius von Loyola stehen, geht eine Hinführung voraus, die die Hälfte des Buches ausmacht. Ihr Gehalt läßt sich zusammenfassen in dem Augustinus-Wort: „Kehren wir zurück zum Herzen und läßt uns IHN finden“. Lotz hebt besonders den Unterschied zwischen der östlich-asiatischen und christlichen Meditation hervor. Letztere trifft im Grunde des Seins auf ein personales Wesen, auf Jesus Christus, der der entscheidende Inhalt und Zielpunkt der Meditation ist.


Henri Daniel-Rops
Das Leben Jesu Christi
München 1966, 269 S.

Die Meditation über Jesus Christus gehört so sehr zum christlichen Glauben, daß es verständlich wird, wenn immer wieder der Versuch gemacht wird, ein Leben Jesu zu schreiben. Dieser letztlich unlösbaren Aufgabe hat sich der französische Theologe und Schriftsteller Henri Daniel-Rops in „Das Leben Jesu Christi“ unterzogen. Der Pattloch-Verlag bringt die deutsche Übersetzung in einem sorgfältig aufgemachten und mit mittelalterlichen Holzschnitten versehenen Buch heraus. Somit ist es als Betrachtungsbuch ausgewiesen, auch wenn eine Fülle geschichtlichen und exegetischen Materials ausgebreitet wird. Das ist im übrigen der Reiz, andererseits aber auch die Gefahr dieses Buches. Einem kritischen Leser wird störend auffallen, daß immer wieder der Versuch gemacht wird, an der Geschichtlichkeit von im Neuen Testament berichteten Ereignissen nicht nur festzuhalten, sondern sie in unnötiger Weise zu konkretisieren.


Romano Guardini
Johanneische Botschaft
Meditationen über Worte aus den Abschiedsreden und dem 1. Johannesbrief
Freiburg/Basel/Wien 1966, 125 S.

In der Schwebe beläßt Romano Guardini all diese sicher interessanten Fragen der Geschichtlichkeit in seinen Meditationen über Worte aus den Abschiedsreden Jesu und dem ersten Johannesbrief mit dem Titel „Johanneische Botschaft, Nr, 244“ in der Herder-Bücherei. Hier sagt er vom Sinn der Meditation über Christus: „Es ist Geheimnis und kein Denken löst das Geheimnis auf. Aber wir werden mit ihm vertraut“. Auf Schritt und Tritt verfolgt man diese Vertrautheit des Autors mit dem Geheimnis Christi. So lassen sich auf seine Meditationen die Worte anwenden, die er selbst über den alternden Johannes schreibt: „Wenn wir sie aufmerksam lesen, sehen wir denn auch, daß die Weise, wie er die Gestalt seines Meisters zeichnet und dessen Botschaft wiedergibt, durch einen Rückblick aus weitem Abstand, durch langen inneren Umgang und tief eindringende Meditation bestimmt ist.“


Altfried Kassing
Glauben in der Welt.
Biblische Auslegungen
Mainz 1966, 163 S.

Die bisherigen Ausführungen sollen nicht den Eindruck erwecken, als sei die Rolle der exakten Bibelforschung gering zu veranschlagen. Jeder, der diesem Mißverständnis zu erliegen droht, kann eines Besseren belehrt werden, wenn er die biblischen Auslegungen „Glauben in der Welt“ von Altfrid Kassing liest. Was hier im Matthias Grünewald-Verlag herausgegeben wird, ist einmal mehr ein Beweis dafür, daß exakte und moderne Exegese die Meditation nicht nur nicht beeinträchtigt, sondern in erstaunlicher Weise befruchtet.


Wilhelm Pesch
Matthäus der Seelsorger
Stuttgart 1966, 80 S.

Für diese, dem inneren Schriftverständnis dienende Funktion der biblischen Forschung ist Wilhelm Pesch’s Studie „Matthäus der Seelsorger“ ein weiteres gutes Beispiel. Der Reihe Stuttgarter Bibel-Studien zugehörig, will sie das neue Verständnis der Evangelien am Beispiel von Matthäus 18 dartun. Um den schon in den frühen Gemeinden auftretenden Nöten und Problemen zu steuern, habe Matthäus in seiner pastoralen Einstellung Antwort gegeben mit Hilfe von Jesus-Worten. Dahinter stehe die Überzeugung, daß der HERR immer gegenwärtig ist, und seine Worte wirkmächtig bleiben. Von den sehr konkreten Fragen, wie die Kinder und die Kleinen, vor allem auch der sündige Bruder zu bewerten sei komme der Seelsorger Matthäus – so Pesch – zu allgemeinen und immer geltenden Antworten.


Ceslas Spicq
Der Christ, wie Paulus ihn sieht
Luzern 1966, 127 S.

Mit dieser Überzeugung, daß die Aktualität der biblischen Weisungen bestehen bleibt, geht Ceslas Spicq an die Darstellung einer paulinischen Moral: „Der Christ, wie Paulus ihn sieht“ aus dem Rex-Verlag. Die Lebensregel des Paulus ist auch noch die Lebensregel des heutigen Christen: Für Gesinnung und Verhalten ist Christus vollendetes Vorbild. Wer immer mehr zu einem anderen, zweiten Christus wird, steht im Spannungsfeld des dreifaltigen Gottes. Damit wird seine Moral zu einer Moral der Kindschaft, einer Moral der Freiheit und einer Moral der Liebe. Eine Religion, die sich dieser Moral Christi verschrieben hat, ist für Spicq eine Moral des Glanzes und der Schönheit. Die Erfahrung der Schönheit ist nur dem Schauenden, dem Meditierenden vergönnt.


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