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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1969 ::: ARCHIV KIRCHE 1969 :::
Buchbesprechungen 30. September 1969

Buchbesprechungen
kath. Theologie und Kirche

Étienne Menard
Kirche gestern und morgen
Frankfurt a. M. 1968, 164 S.

Nur wenige werden wissen, mit welch klassischem Thema die Theologen befaßt sind, wenn sie sich heute mit betonter Aufmerksamkeit der christlichen Gemeinde zuwenden. Damit geben sie nämlich einer Auffassung von der Kirche den Abschied, die sich im 11. Jahrhundert unter Papst Gregor VII etablieren konnte. Damals, so wert Étienne Menard in seinem Buch aus dem Knecht-Verlag „Kirche gestern und morgen“ nach, errang das Papsttum seine zentralistische Stellung, die es trotz aller Rückschläge bis zum Ersten Vatikanischen Konzil immer stärker ausbauen konnte, und die die Weltkirche zu einer einzigen Diözese werden ließ. Diese Entwicklung ging zu Lasten der Bischöfe und der Ortskirchen, die sich immer mehr als Befehlsempfänger denn als Initiativträger verstanden. Bis hinunter zur Pfarrei verlor sich das Gespür dafür, daß die Kirche ein organischer Verband der vielen verschiedenen Ortsgemeinden ist, in denen personale Beziehungen den christlichen Geist lebendig erhalten. Wenn sich jetzt die Aufmerksamkeit von der Institution weg auf die Gemeinschaft verlagert, so kommt nach Menard wieder ursprüngliches christliches Gedankengut auf, das der Kirche mehr Vitalität zu schenken verspricht als die Ekklesiologie eines Gregor.


Franz Xaver Arnold u.a. (Hrsg.)
Handbuch der Pastoraltheologie, Bd. II
Freiburg/Basel/Wien 1966
Handbuch der Pastoraltheologie, Bd. III
Freiburg/Basel/Wien 1967

Diese Vitalität ist aber mehr Verheißung als Wirklichkeit. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn sich in der einschlägigen Literatur nur Spuren von ihr vorfinden. Auch der Band III des Handbuches der Pastoraltheologie und Band. II „Kirche in der Stadt“, die beide aus dem Herder-Verlag kommend sich mit der Gemeinde befassen, bilden darin keine Ausnahme. Verschiedene qualifizierte Autoren bemühen sich darum, die zeitgemäße Struktur einer Gemeinde aufzuzeigen, die zwischen ihren traditionellen Formen und neuartigen Experimenten hin- und herschwankt; wobei letztere nur mit zaghaften Strichen angedeutet werden. Die Gründe für diese Zurückhaltung sind darin zu suchen, daß der Mut fehlt, die alte Konzeption der Volkskirche aufzugeben, und daß andererseits wirklich neue Experimente mit der Gemeinde zu wenig gemacht werden, bzw. zu wenig bekannt sind, Daher werden ganze Partien der beiden Bände eher die Pastoralgeschichte als die Pastoral interessieren.


Die integrierte Gemeinde Christliche
Existenz in einer säkularen Welt Heft 1
München 1968 (?)

Umso gespannter blättert man in der ersten Nummer der Zeitschrift „Die integrierte Gemeinde“, erschienen im Verlag Urfeld. Als Autor zeichnet eine ganze Gemeinde, der es um „die Wiederbelebung der aussterbenden Gemeinschaft der Glaubenden“ geht. Diese Gemeinde, die betont, daß sie sich selbst trägt ohne Kirchensteuer und staatliche Hilfe, will ein Integrationspunkt sein, wo Glaubenserfahrungen gemacht werden. Dies geschieht mit Hilfe der kritischen Bibelwissenschaft, der man den Einblick in das Leben der frühen Christengemeinden verdankt. Wenn eine Gemeinde die ursprüngliche Gemeindesituation wiederherstellt, erlebt sie, daß die alten Zeugnisse erneut zutreffen. So erfährt sie in den eigenen Reihen, was die Gemeinde des Markus mit der Passion sagen wollte, wie nämlich die Gemeinschaft der Christen Anstoß erregt, den Heiden ausgeliefert in Kongruenz mit dem Leiden Christi steht, den Herrn verratend und selbst auch wieder verraten. Gott ist der einzige, der nicht verrät, und aus dem Verrat aller die Gemeinde am Leben hält.

Wem diese Gedanken fremd sind, darf sich wiederholt sagen lassen, daß man das Phänomen „Gemeinde“ nicht studieren kann, sondern selbst erleben muß. Die Lektüre der geschmackvoll aufgemachten Zeitschrift hinterläßt den zwiespältigen Eindruck einer gleichwohl faszinierenden Mischung von Tradition und Fortschritt, von Erweckungschristentum und wissenschaftlicher Haltung, von Provokation und Bescheidung.


Karl Johannes Heyer
Briefe an eine Gemeinde
Frankfurt a.M. 1968, 135 Seiten

Eine Welt trennt diese Zeitschrift von den Briefen, die Karl Johannes Heyer als Pfarrer an seine Gemeinde gerichtet hat, und die der Knecht-Verlag als „Briefe an eine Gemeinde“ herausgibt. Einfallsreich verfaßt, offenbaren sie einen sympathischen und aufgeschlossenen Pfarrer. Dennoch erweist er sich als einer konservativen Pastoral verpflichtet, wenn er z.B. schreibt: „Es ist für mich als Pfarrer ein Trost, daß ich durch das Instrument des Pfarrbriefes auch mit denen verbunden bin, die ich in der Kirche nicht erreiche“. Diese Schafhirtenmentalität überschattet leider den menschlich und christlich wertvollen Gehalt der Briefe.


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