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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV BUCHBESPRECHUNG 1973 ::: ARCHIV KIRCHE 1973 :::
Buchbesprechung 1973

Buchbesprechung
kath. Theologie und Kirche

Bernard Besret
Wenn die Nacht wie der Tag leuchtet
Realutopie einer neuen Kirche
Limburg 1973, 196 Seiten

Was ungeduldige Leser oft um den vollen Genuß der Lektüre eines Buches bringt, empfiehlt sich bei dem vorliegenden Titel „Wenn die Nacht wie der Tag leuchtet, Realutopie einer neuen Kirche“. Man lese zuerst die letzten Seiten, ein Interview des Nachrichtenmagazins „L’Express“ mit dem Verfasser, dem 34-jährigen Bernard Besret, Ex-Oberer des französischen Zisterzienserklosters Boquen. Darin erläutert Besret, wie es zu der von Rom verfügten Amtsenthebung kam. Diese Entwicklung sollte man kennen, wenn man sich auf den theologischen Entwurf des Buches einläßt. Die einzelnen Kapitel über Voraussetzungen, Möglichkeiten und Strukturen einer erneuerten Kirche bieten nämlich im Grunde nichts anderes als eine Reflexion von Erfahrungen, die der Autor in seinem Kloster gemacht hat. Dabei handelt es sich um ein Kloster, das als offenes Haus, ja als eine Art Kulturzentrum vorwiegend junge und kritische Geister angezogen hatte.

Angefangen hatte es mit dem Versuch, die vom Konzil eingeleitete Erneuerung der Liturgie konsequent weiterzuführen in Worten und Gesten des heutigen Menschen. Schon bald konnte man sich darauf nicht mehr beschränken, sondern machte sich auf die Suche nach neuen Ausdrucksformen für das gesamte Leben. Immerhin behielt die Eucharistie ihren Vorrang, wobei sie mehr einem modernen Fest als dem überlieferten Gottesdienst glich. Im Hauptteil des Buches, wo die Auslassungen über die Liturgie einen breiten Raum einnehmen, heißt es über Ostern: „Das Osterfest ist für die Christen, was Woodstock für eine Hippie-Generation, was der Karneval von Rio für die Brasilianer ist: die utopische Verwirklichung des Reiches (Gottes), in dem jeder sich ausgibt und hingibt, bis sie nur mehr eins sind“: Unter diesen Vorzeichen entsteht in Boquen eine Gemeinschaft, die sich als Ort der lebendigen Erinnerung an Jesus und damit gleichzeitig als Ort der Ankündigung und Vorwegnahme einer neuen Welt versteht.

Sie ist damit eine der Gemeinschaften, die der Verfasser als Mikro-Gemeinschaften bezeichnet. Aus ihnen und aus ihrem gegenseitigen Verbund müßte das wiederentstehen, was mit der universalen Kirche gemeint ist.

Prior Besret hat für seine Gemeinschaft, die sich aus allen Schichten der Gesellschaft rekrutierte, die kirchliche Anerkennung gesucht. Sie wurde ihm versagt, indem man ihn seines Postens mit dem Vorwurf, er verwirre die Seelen, enthob. Das ändert nichts an der Legitimation ein utopisches Konzept vorlegen zu dürfen, da es im entscheidenden Ansatz nicht bloße Utopie sondern vom Leben gedeckte Real-Utopie ist.


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