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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV ASYL 2004 :::

20 Jahre Flüchtlingslager Schwalbach

von Herbert Leuninger (PRO ASYL)


Frankfurter Rundschau
vom 26. Januar 2004
(Main-Taunus)

Das Ende einer Zuflucht

Abschied von der HEAE

Eschborn / Schwalbach – 25. Januar – bac – Erfolg schützt nicht vor Schließung: Dieses bittere Fazit zogen Kirchenvertreter am Freitagabend bei der Abschlussveranstaltung zur Schließung der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Schwalbach in der evangelischen Kirche am Eschenplatz in Eschborn.

Die Arbeit der beiden christlichen Kirchen im Main-Taunus-Kreis für Asylsuchende habe durch die vor fünf Monaten überraschend vom Land verkündete Schließung des seit 20 Jahren bestehenden Schwalbacher Flüchtlingslagers, das 500 Menschen Platz bot, einen „herben Rückschlag“ erlitten, sagte Dekan Eberhard Kühn aus Bad Soden vor etwa 100 Christen, die sich teils seit 20 Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert haben.

Kühn betonte in dem Gottesdienst, die HEAE sei für Menschen, die eine andere Heimat suchten, von größter Bedeutung gewesen. Auch wenn es bei der Aufnahme von Flüchtlingen immer wieder Probleme gegeben habe, sei das Land Hessen als Betreiber der HEAE ein verlässlicher Partner gewesen. „Unser Druck ist nicht umsonst gewesen“, sagte Kühn zur kirchlichen Rolle in der Flüchtlingsaufnahme und dankte dem Arbeitskreis Asyl Eschborn, dem Ökumenischen Verein für Flüchtlingshilfe, den Mitarbeitern in der Flüchtlingsberatungsstelle, der Kleiderkammer, der Teestube und der Lern- und Spielstube, in der Kinder und Jugendliche der Asylsuchenden Aufnahme fanden. Das Fazit des Dekans lautete angesichts der Schließung zum Jahresende: „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschlichkeit erhalten bleibt; die Arbeit der HEAE ist zu Ende – das Anliegen bleibt.“

Menschen ohne Lobby

Die evangelische Flüchtlingspfarrerin Mechthild Gunkel hielt mit ihrer Kritik an der Schließung nicht hinter dem Berg. „Die kritische Öffentlichkeit zieht sich aus einem Bereich zurück, der keine Lobby hat“, steht für die Kirchenvertreterin fest. Doch es gehe „bei einer heute schleichenden Aushöhlung des Asylrechtes zuerst um eine humane Bleiberechtsregelung“.

Der bisherige HEAE-Leiter, Volker Möser, sagte, in den 20 Jahren des Bestehens der Einrichtung seien 375.000 Flüchtlinge durch das Lager gegangen. Möser setzt mit seinen Mitarbeitern nach der Schließung der Einrichtung in Schwalbach die Arbeit in der Flüchtlingsaufnahme in Gießen fort. Pfarrerin Gunkel wird Flüchtlinge am Frankfurter Flughafen betreuen.

Das Land hatte die Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung in Schwalbach mit anhaltend rückläufigen Flüchtlingszahlen begründet. Das Lager in Gießen mit 490 Plätzen reiche für die Erstaufnahme aus, hieß es. 100 Mitarbeiter haben in Schwalbach ihre Jobs durch die Schließung verloren.


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