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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE-MIGRATION 1988 :::

10. April 1988
DER SONNTAG
Kirchenzeitung für das Bistum Limburg

Jahreskonferenz von Pax Christi

Ein innerer Zusammenhang

Schulden und Aufrüstung führen zur Verelendung


Hofheim Einen inneren Zusammenhang zwischen der Schuldenkrise in der sogenannten Dritten Welt und dem sich verstärkenden Flüchtlingsdrama sieht der für Flüchtlinge im Main-Taunus-Kreis tätige Pfarrer Herbert Leuninger. Bei der Jahreskonferenz von Pax Christi in der Diözese Limburg (in Hofheim) verdeutlichte Leuninger diesen Zusammenhang anhand der jüngsten Enzyklika des Papstes (Johannes Paul II) über „Die soziale Sorge der Kirche“.

Leuninger bezog sich vor allem auf die Einschätzung des Papstes, daß sich der Graben zwischen dem entwickelten Norden und dem unterentwickelten Süden trotz oder sogar wegen der Entwicklungshilfe verbreitert habe. Hinzu komme der Konflikt zwischen Ost und West. „Die Logik der Blöcke“ führe nicht nur zum kalten Krieg und zur Drohung mit dem totalen Krieg, sondern vor allem auch zu sogenannten „Stellvertreterkriegen“.

Leuninger wies auf die Statistik hin, wonach von 65 Kriegen, die in den letzten 20 Jahren auf der Welt geführt wurden, 64 in Ländern der „Dritten Welt“ stattgefunden hätten, in Ländern also, wo bittere Armut herrsche und wo, wie der Papst darlege, Entwicklungshilfe zum Waffenkauf verwendet würde. „Schulden und Aufrüstung führen zu einer Verelendung breitester Schichten, deren Aufbegehren dann wieder durch Waffengewalt und diktatorisches Vorgehen verhindert werden soll“, sagte Leuninger. Die Millionen Flüchtlinge seien für den Papst eine Folge dieser globalen Entwicklung. Ihre wachsende Zahl sei geradezu kennzeichnend für die Ungleichgewichte und Konflikte der heutigen Welt.

Leuninger stellte zwischen den Lehräußerungen des Papstes und der Analyse, wie sie aus der Friedens- und Dritte-Welt-Bewegung kommt, eine weitgehende Übereinstimmung fest. Nicht zuletzt dürfe sich die Friedensbewegung durch die klaren Sätze bestärkt sehen, die die Produktion und den Handel mit Waffen moralisch verurteilten. Dies müßte nach Ansicht von Pfarrer Herbert Leuninger auch Konsequenzen für die Bundesrepublik haben, die zum sechstgrößten Waffenlieferanten an Länder der Dritten Welt gehöre.


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