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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE-MIGRATION 1974 :::

BISCHÖFLICHES ORDINARIAT LIMBURG
Dezernat Kirchliche Dienste
Referent für kirchliche Ausländerarbeit

Kirche und ausländische Schüler

Beitrag zur Sitzung des Priesterrates des Bistums Limburg
am 1. April 1974

INHALT
Erforderlich ist das Bemühen der Pfarreien für die Integration der ausländischen Schüler etwa u.a. durch Hausaufgabenhilfe und Kindergarten in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband.

1) Hier handelt es sich um eine Verantwortung, die weit über den Rahmen des Religionsunterrichtes hinausgeht. Auch für diesen Bereich muß das folgende Wort der Synode Anwendung finden: “ Sie (die Kirche) nimmt sich vor allem der Fremden und Bedrängten an; macht sich die Leiden und Anliegen der Randgruppen und der Unterdrückten zu eigen und tritt als Anwalt und Verteidiger ihrer Rechte auf.“

In unserem Falle geht es um die Chancengleichheit für die ausländischen Kinder hinsichtlich ihrer Schulbildung. Im Jahre 1973 haben in Hessen nur 33,3% der ausländischen Schüler einen normalen Hauptschulabschluss erreicht. Dabei gibt es regional noch sehr große Unterschiede. (Regierungsbezirk Kassel 15,8%, Regierungsbezirk Darmstadt 35,2%, hierbei Wiesbaden 55,2%,).

Am 15. Oktober 1972 gab es in Hessen (ohne die Berufsschüler) 24.797 ausländische Schüler (Gastarbeiter).

2) Was tun die Pfarreien? Der Diözesansynodalrat hat sich 1972 in den Pfarreien des Bistums über die Situation der ausländischen Kinder in den Kindergärten und Schulen informieren wollen. 50 Pfarreien ( = 15% ) haben darauf geantwortet. Dabei sind im Rhein-Main-Gebiet allein 130 Pfarreien betroffen.

Wieviel 6 bis 15-jährige ausländische, Kinder in der Pfarrei wohnen, konnte von 9 Pfarreien nicht beantwortet werden. 5 erstatteten Fehlanzeige.

23 Pfarreien gaben an, Hausaufgabenhilfe o.ä. anzubieten.

3) Die Hausaufgabenhilfe ist ein charakteristisches Aufgabenfeld für die Pfarrei. Seit Ende 1971 wird sie durch das Hessische Kultusministerium finanziell gefördert (pro Helfer und gegebener Zeitstunde DM 10,- bei ca. 5 Kindern). In Frankfurt und im Bezirk Main-Taunus wird eine derartige Hilfe an 13 Stellen angeboten. Die Abrechnung geht über den Caritasverband. Seit dem vergangenen Jahr ist eine erhebliche Steigerung der Arbeit zu verzeichnen. Im ersten Quartal 1974 lagen die angeforderten Beträge um 139 % höher als im vergangenen Jahr.

Ende 1973: 1.084 Schüler und 266 Helfer – Caritasverbände Hessen
Anfang 1974: 1.638 Schüler und 343 Helfer – Caritasverbände Hessen

Es besteht eine eindeutige Tendenz, die Arbeit zu qualifizieren; sie entwickelt sich immer mehr zu einer echten Integrationshilfe.

4) Aktivitäten des Caritasverbandes
Die Konferenz der Caritasverbände in Hessen ist Mitglied eines Ausschusses für die Schulfragen ausländischer Kinder beim Hessischen Kultusministerium. Ende des vergangenen Jahres wurde zusammen mit dem Diakonischen Werk und der Arbeiterwohlfahrt ein Katalog mit spezifischen Forderungen vorgelegt. Die Hauptforderung besteht darin, das, was im Erlass des Hessischen Kultusministeriums für die ausländischen Kinder vorgesehen ist, wenigstens schon einmal durchzuführen. D.h.:

  • Durchführung der Vorbereitungskurse (in Frankfurt 92 vorhanden, noch 25 sind notwendig).
  • Erteilung des Deutschunterrichtes in den Vorbereitungsklassen (in Frankfurt werden 100 Deutschstunden erteilt, 500 sind notwendig).
  • Erteilung zusätzlichen Deutschunterrichtes für ausländische Schüler, Sonderkurse für Heimatsprache und Kultur (in Frankfurt 50 eingerichtet, weitere 50 notwendig).

Eine weitere Forderung bezieht sich auf die Fort- und Weiterbildung der ausländischen Lehrer, vor allem auch hinsichtlich der Beherrschung der deutschen Sprache. Dazu müßten eigene Programme entwickelt werden. Außerdem sind auch die deutschen Lehrer durch Seminare auf die besondere Aufgabe im Umgang mit ausländischen Kindern vorzubereiten. Auch müßte in jedem Schulaufsichtsbereich ein geeigneter Lehrer für ausländische Schüler verantwortlich zeichnen. Es zeigt sich, daß die Frage des chancengleichen Schulunterrichtes für die ausländischen Kinder nicht nur eine Angelegenheit der Schule als solche ist. Auf schulische Integration eingestellte Bemühungen werden dadurch erschwert, daß gerade die Arbeitsmarktpolitik der letzten Monate die vorhandene Unsicherheit der ausländischen Eltern erheblich verstärkt hat.

5) Vorschule und Kindergarten
Der Diözesansynodalrat hat bekanntlich im letzten Jahr die Empfehlung ausgesprochen, jedem ausländischen Kind wenigstens ein Jahr vor der Einschulung den Besuch eines deutschen Kindergartens zu ermöglichen.

In Frankfurt hat mittlerweile ein achtteiliges Seminar für Kindergärtnerinnen stattgefunden, die in ihren Gruppen auch ausländische Kinder betreuen.


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