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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE-MIGRATION 1984 :::

31. Juli 1984

Die grenzenlose Pfarrei
und ihre Eucharistiefeier

Es war nur eine unscheinbare Notiz im Frankfurter Teil der Kirchenzeitung, die Ankündigung der Gottesdienste für die Kar- und Ostertage in der Pfarrei St. Hildegard: Gründonnerstag: 18.30 Uhr Beichtgelegenheit (italienisch), 19.30 Uhr Abendmahlmesse (ital./deutsch); Karfreitagsliturgie (ital./deutsch); Osternachtsliturgie (ital./deutsch): Ostersonntag um 11.30 Uhr: Messe (ital./deutsch).

Offensichtlich sind die italienischen Gläubigen in dieser Gemeinde liturgisch integriert, d.h. sie gehören ganz selbstverständlich zum gottesdienstlichen Leben dazu. Dabei brauchen sie nicht aufzuhören sich als Katholiken italienischer Muttersprache zu fühlen, sie werden als solche verstanden und anerkannt.

Nun wäre zu fragen, ob sich diese Integration nur auf den Gottesdienst beschränkt, oder auch alle anderen Lebensbereiche des Gemeindelebens einschließt: den Kindergarten, den Kommunionunterricht, die Jugendgruppen, die Elternarbeit, den Pfarrgemeinderat, Veranstaltungen und Feste etwa. Nur dann wäre es sinnvoll auch gemeinsam Eucharistie zu feiern. Die Messe kann die Gemeinschaft nicht ersetzen, sondern höchstens bestärken. Deswegen sind gutgemeinte und gelegentlich durchgeführte gemeinsame Gottesdienste ohne sonstige Gemeinsamkeit nur Eintagsfliegen. Solche Eintagsfliegen sind dann ein Alibi.

Vielleicht ist diese Gefahr dann gegeben, wenn etwas für „die Ausländer“ getan werden soll. Wer Mitglieder der Gemeinde als „Ausländer“ versteht, hat zu ihnen u.U. einen schwierigeren Zugang als der, der sie einfach als Mitchristen ansieht und bezeichnet. Die Lehre der Kirche betont immer wieder, daß es in der Kirche und in einer Pfarrei unter Christen keine „Fremden“ und „Ausländer“ gibt, sondern nur Brüder und Schwestern. Offiziell nennt die Kirche Christen, die aus anderen Ländern kommen, „Gläubige anderer Muttersprache“. Damit wird einer Besonderheit dieser Menschen Rechnung getragen, die berücksichtigt werden soll, aber keine Unterschiede begründet. Sprache ist in der Kirche seit Pfingsten auch nichts mehr Trennendes. Das klingt vielleicht utopisch, ist aber eine zentrale biblische Aussage.

Wer sich dieses Hintergrundes bewusst ist, kann mit Papst Paul VI die Pfarrei als einen Ort ansehen, der über die Grenzen hinweg reicht und wo die Eucharistie, das Sakrament der Einheit in Freude und Verbundenheit gefeiert wird.

Natürlich bleiben auch bei dieser Sicht Sprach- und Verständigungsprobleme. Sie sind aber sekundär und können leicht überwunden werden, gerade auch in der Eucharistie. Dazu gehört nur die Erfahrung der Gemeinschaft und ein Quäntchen Phantasie.


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