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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE 1988 :::

Pax Christi Hofheim

UNSERE ALTERNATIV-FAMILIE

Zeitschriftenartikel (26.6.1988)

Tesfai (Name geändert), Eritreer aus Äthiopien, ist noch nicht lange in Hofheim. Seine Frau Feven (Name geändert) war vor zwei Jahren allein in die Bundesrepublik geflüchtet. d.h. ganz allein auch wieder nicht. Sie erwartete damals ein Kind. Es wurde hier geboren. Ich habe es getauft.


Bilder: Täufling Saron mit Mutter | Taufe | Gottesdienst

Tesfai – lange Zeit wußte seine Frau überhaupt nicht, wo er war – erfuhr von seinem Vaterglück im Sudan. Dort wartete er über Monate, bis auch er nach Hofheim am Taunus kommen konnte. Wir hatten uns für die Familienzusammenführung eingesetzt und Geld für das Flug-Ticket aufgebracht.

Ein paar Monate später sitzt Tesfai. mit anderen eritreischen Eltern und uns von der PAX-CHRISTI-Gruppe Hofheim zusammen. Es geht um einen Unterricht für ihre etwa dreißig eritreische Kinder in Hofheim und Umgebung. Sie sollen ihre Muttersprache, Tigrinia lesen und schreiben lernen. Wir bieten ihnen unsere Unterstützung an, sind bereit, die Kinder jeweils samstags abzuholen und zu der Schule zu bringen, deren Rektor einer aus unserer Gruppe ist.

Tesfai ist offensichtlich sehr beeindruckt, daß wir als Deutsche ihren Plan, die Muttersprache ihrer Kinder zu pflegen, in dieser Form unterstützen. In Englisch sagt er uns, wir seien mehr als humanitäre Helfer. Solche Helfer seien zwar für Flüchtlinge dringend notwendig, aber wir von PAX-CHRISTI seien ihre Schwestern und Brüder, ihre Väter und Mütter. Uns verschlägt es fast die Sprache. Tiefer kann unser Verhältnis zueinander nicht ausgedrückt werden. Wir hätten niemals gewagt, uns selbst so zu sehen. Wir hatten uns immer wieder gesagt, wir wollten nicht die großen Helfer spielen, keine besseren Sozialarbeiter sein, kein Mildtätigkeitsverein. Natürlich helfen wir bei vielen Gelegenheiten, so gut wir können, wir helfen uns gegenseitig wie gute Nachbarn oder Freunde. Daß die Flüchtlinge uns aber als ihre engsten Verwandten betrachten, als Mitglieder ihrer Großfamilie, das macht uns glücklich.

Auf einmal müssen wir daran denken, daß dies irgendwie biblisch ist, daß Christen untereinander und anderen Menschen gegenüber Geschwister und Eltern sind, daß die Familie, in der wir als Christen leben, viel größer ist, als die Familie, aus der wir stammen. Wir spüren das immer wieder, wenn wir uns zu Festen, Ausflügen, zum gemeinsamen Urlaub oder zu einer Taufe zusammenfinden. Wir spüren es auch, wenn es um die kleinen und großen Sorgen und Nöte geht. Unser Denken und Empfinden ist weiter geworden, wir sind alle ein bißchen mehr Mensch geworden.


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