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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV KIRCHE 1969 :::

Krifteler Nachrichten
15. März 1969

Auswertung der Meinungsumfrage
der kath. Gemeinde Kriftel am Taunus

INHALT
Mit 1350 Anschreiben wurden die Gemeinde-mitglieder gebeten, anhand eines Fragebogens das Gemeindeleben zu beurteilen und Vorschläge für die künftige Arbeit zu machen.
In der Pfarrversammlung vom 4. März (1969) legte Pfarrer Leuninger das Ergebnis der Umfrage vor, die an alle kath. Gemeindemitglieder gerichtet war. Die Veröffentlichung in den Krifteler Nachrichten soll fortsetzungsweise erfolgen.

In einem Schreiben des Pfarrers vom 23.1.1969 wurden alle Mitglieder der Katholischen Pfarrgemeinde Kriftel gebeten, in einer Umfrage Stellung zu nehmen zu verschiedenen Fragen des Gemeindelebens. Verschiedene Gründe waren Anlaß zu dieser Umfrage, u. a. die Eröffnung des neuen Gemeindehauses, für das entsprechende Veranstaltungen geplant werden müssen, und die Wahl eines Pfarrgemeinderates am 16. März. Für dessen Arbeit sollte durch die Umfrage Material geboten werden. 1350 Anschreiben mit 2250 Fragebogen wurden durch die Helferinnen der Frauengemeinschaft an die einzelnen Haushalte verteilt.

Eine ähnliche Umfrage machte zur gleichen Zeit die Evangelische Gemeinde. Ein Teil der Fragen war gemeinsam abgesprochen worden.

Die eingegangenen Vorschläge und Wünsche können im einzelnen nicht vorgelegt werden. Dennoch soll das Material möglichst umfassend vorgebracht werden, dabei will ich mich einer Deutung und Kommentierung der Angaben und Antworten enthalten. Die Konsequenzen der Umfrage müssen bei anderer Gelegenheit noch besprochen werden. Die Auswertung soll in der Reihenfolge vorgenommen werden, wie die Fragen in der Umfrage gestellt worden sind. Da vertrauliche Behandlung zugesichert war, werden selbstverständlich keine Namen genannt.

I. Fragen zur Person:

170 Mitglieder der Gemeinde haben die Umfrage beantwortet, ein Großteil hat, wie angeboten, darauf verzichtet, den Namen zu nennen, dafür aber in den meisten Fällen die Altersangabe gemacht. Der größere Teil hat den Namen angegeben, auch wenn kritische Äußerungen gemacht wurden. Das jüngste Gemeindeglied, das geantwortet hat, ist 14, das älteste 81 Jahre alt. Im übrigen sind alle Altersstufen ziemlich gleichmäßig vertreten. Bis zu 20 Jahren haben 9 geantwortet, von 20 – 30 Jahren 14, die Altersgruppe von 30 – 40 ist mit 31 Antworten vertreten, die folgenden Altersgruppen halten sich mit einer leichten Abnahme in derselben Größenordnung; im Alter von 70 – 80 sind es 18, die auf die Umfrage geantwortet haben. Dabei ist zu beachten, daß von 20 Personen keine Altersangabe ermittelt werden konnte.

II. Fragen zur Gemeindearbeit:

1. Weiche Themen sollten in der Predigt mehr berücksichtigt werden?

Zu dieser Frage sind etwa 75 verschiedene Vorschläge gemacht worden. Ein Teil ist allgemeiner, ein anderer Teil spezieller Art. 10 mal wird der Wunsch geäußert nach Auslegung des Evangeliums, dabei wird auch der Vorschlag gemacht, andere als die üblichen Abschnitte aus der Bibel zu nehmen, da die üblichen schon zu sehr bekannt seien. 5 von 10 wünschen eine zeitgemäße Auslegung des Evangeliums. Aktuelle Predigten werden 6 mal gewünscht, dabei auch eine Aktualität, die keine Rücksicht auf alte Zöpfe nimmt. Die Themen sollen sozialkritischer sein, sie sollen die fortschrittliche Theologie und die Reformen in der Kirche behandeln, mehr das gemeinsam Christliche als das Konfessionelle herausstreichen, zufriedene Kirchenbesucher bisweilen auch einmal schockieren und aufrütteln, oder wie im anderen Fall „orkanartiger predigen, damit die Schläfer der letzten Reihe von den Sitzen hochgerissen werden“.

Es wird gewünscht, daß die Glaubensvertiefung und das Glaubensbekenntnis, das Credo Pauls VI., behandelt werden, und das mehr Verpflichtungen des Glaubens hervorgehoben werden soll. Es werden Themen gewünscht, die die Gegensätze und Mißverständnisse innerhalb der Gemeinde ausräumen; für Marienfeiertage werden Marienpredigten erbeten. In einem Fall werden „erbauliche“ Predigten denen mit kritischem Inhalt vorgezogen. Die übrigen Themen lassen sich nach folgenden Themengruppen ordnen: Nächstenliebe, Opfer, praktisches Christentum, Nachfolge Christi, Verhalten zum Reichtum, soziale Gerechtigkeit. Messe, dabei vor allem Fragen der Gegenwartsweise Christi, Gebet, ewiges Leben, Verhältnis zu Gott, Frömmigkeit und Frömmelei, Sinn des wöchentlichen Gottesdienstes. Schuld, Sünde, freier Wille und Gnade, Determinismus, die 10 Gebote, die Kirchengebote, das Gewissen und seine Bildung,

vor allem aber auch Themen, die die heutige Kirche betreffen, Kirche und Welt, Kirche und Wissenschaft, Kirche und Zeitgeschehen, Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, Autorität in der Kirche, gesellschaftlicher Auftrag der Kirche, Kirche und Materialismus, römischer Prunk und Kirche in Lateinamerika, Ökumenismus, Erziehung der Christen in der Kirche zum Mitdenken, schließlich dann auch Themen: der Wille zum Kind, das Alte Testament heute, oder Barmherzigkeit gegen Tiere.

Im Zusammenhang mit den Themenvorschlägen zur Predigt wurden auch die bisherigen Predigten beurteilt und zwar positiv und kritisch. 7 mal wurde darauf hingewiesen, daß die Predigt zu schwer verständlich, zu hoch und nicht konkret genug sei. Darauf zielt dann auch der Vorschlag hin, gelegentlich die Predigt des vergangenen Sonntags noch einmal zu erläutern. Es wird darum gebeten, die Auslegung des Evangeliums nicht nur im sogenannt fortschrittlichen Sinne vorzunehmen, oder eine gute, keine hochmoderne Predigt zu halten. Es wird darauf hingewiesen, daß man am Anfang mit der Predigt einverstanden gewesen sei, in der letzten Zeit aber nicht mehr. In diesem Zusammenhang wird sehr bedauert, daß die neue Auslegung des Wortes Gottes nicht frei von Irrlehre sei, und deswegen als mit der Glaubenslehre nicht vereinbar abgelehnt wird. Es wird gesagt, die neue Auslegung des Evangeliums wird nur von einem kleinen Teil der Pfarrgemeinde begrüßt und angenommen. Dieser meine jetzt, ein bequemeres Leben führen zu können ohne auf das Gewissen zu hören. Das Evangelium soll besser erläutert werden, nicht so sehr der eigene Standpunkt dargelegt werden. Als unannehmbar wird die Kritik an der kirchlichen Obrigkeit angesehen. 2 Predigten der letzten Zeit werden als zu hart oder als befremdlich angesehen. Unabhängig von diesen kritischen Bemerkungen wird vorgeschlagen, zur Abwechslung gelegentlich andere Prediger heranzuziehen.

Den 17 kritischen Stimmen stehen 33 zustimmende gegenüber. Darin wird die zeitgemäße Auslegung des Evangeliums begrüßt. Die Themen als weltoffen und immer wieder neu und gut bezeichnet; besonders wird hervorgehoben, daß heikle Themen diplomatisch behandelt werden und daß gerade die Auswahl der Themen der letzten Monate als gut zu bezeichnen ist. In sehr vielen Fällen heißt es: einverstanden und: weiter wie bisher. Es wäre noch der Vorschlag zu erwähnen, nach der Predigt jeweils eine Pause von 3 – 5 Minuten zur Besinnung zu machen.

2. Welche Themen sollten in anderweitigen Veranstaltungen behandelt werden?

Es wurden etwa 100 Vorschläge gemacht. Darunter waren als allgemeine Themen: Aktuelle Themen (immer wieder gewünscht), fortschrittliche Themen, Glaubensfragen, Fragen der modernen Welt, bisherige Predigtthemen, soweit sie Kritik an der Kirche beinhalten, Erwachsenenbildung, soziale und politische Themen. Unter sozialpolitische Themen wurden noch folgende einzeln aufgeführt: Mitbestimmung, Kirche im Spätkapitalismus, Christentum und Klassenkampf, sozialpolitische Forderungen des christlichen Arbeitnehmers, die Sozialstruktur, Christentum und Sozialismus, Christentum und Gewerkschaften.

Einen breiten Raum nehmen auch wiederum Themen über die Kirche ein: Theologische Schwierigkeiten in der Auseinandersetzung mit Rom. Ist die Kirche in der jetzigen Form noch möglich? Wie kann sie sich an die moderne Zeit anpassen? Wie können Taufscheinkatholiken wieder aktiviert werden? Kirche und Politik, Kirche und Hierarchie. Die Kirche in Südamerika und Afrika, die Fragwürdigkeit päpstlicher Enzykliken. Ist Annäherung unter den Christen möglich, wenn die kirchliche Leitung skeptisch bleibt? Die Neuerungen in der Kirche.

Der Wunsch nach pädagogischen Themen drückte sich folgendermaßen aus: 4 mal wurde gewünscht, daß Problem der Erwachsenen gegenüber der Jugend aufzuarbeiten. Mehrfach wurde vorgeschlagen, das Thema „religiöse Erziehung des heutigen Kindes“ aufzugreifen, überhaupt das Thema der religiösen Unterweisung; Thema „Katholische Jugend“ und „Katholische Presse“, „Frage: Religion in der Berufsschule?“

,Das christliche Leben im Alltag“ wurde gelegentlich als allgemeines Thema formuliert. Im einzelnen, wurde „die Moral“ als Hauptthema hingestellt. Gewissensbildung. Ethik, Humanismus und Religion, Liebe und Sexualität, Ehe und Jungfräulichkeit, Freundschaft und Liebe, vorehelicher Verkehr, Keuschheit, Geburtenkontrolle. Themen, die das gegenseitige Verständnis fördern und Veranstaltungen, die die Gemeinschaft fördern. An Kursen wurden vorgeschlagen: ein Näh-, Koch- und Gymnastikkurs.

Einen großen Raum nehmen selbstverständlich auch die Glaubensfragen ein: Auslegung der Bibel, die neuen Erkenntnisse der Theologie, ausführliche Behandlung des Konzils und seiner Beschlüsse, weitere Arbeit mit dem Holländischen Katechismus, persönliche , Ansichten zu Glaubensfragen und zu den Kirchengeboten. Einzelthemen: Erlösung, Eucharistie, die Auferstehung, Dreifaltigkeit, neue Schöpfung, Maria und die Heiligen, Gottesbeweise, Echtheit der Evangelien, Wunder Jesu, Beichte, Sakramente, Ablaß, Neuordnung der Liturgie. Statt irgendeines bestimmten Themas wird auch eine gelegentliche Fragestunde vorgeschlagen.

3. An welcher Art von Veranstaltungen sind Sie besonders interessiert?

Es kreuzten an:

a) Vorträge mit anschließender Diskussion: 78

b) Gesprächskreise (20-25 Teilnehmer im Gemeindehaus): 70

c) Gesprächskreise (10-14 Personen in Privatwohnungen): 19

d) gesellige Abende: 80

e) regelmäßiges Beisammensein älterer Gemeindemitglieder: 30

f) Clubabende der Jugend: 23

4. Sind Sie bereit zur Mitarbeit in der Gemeinde?

Es kreuzten an:

a) Gelegentliche Hilfe im Pfarrbüro: 19
b) gelegentliche Schreibarbeiten: 20
c) gelegentliche Hilfe im Gemeindehaus bei größeren Veranstaltungen:

Organisation 20
Garderobe: 15
Raumgestaltung: 14
Bedienung: 10

d) gelegentliche Übernahme einer Autofahrt: 25


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