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HERBERT LEUNINGER ::: ARCHIV PRO ASYL PRESSEERKLÄRUNG 1993 :::
9.7.1993

Hungerstreik von Flüchtlingen auf Rhein-Main
ASYLFALLE AIRPORT
kein faires Asylverfahren möglich


Der Flughafen Frankfurt ist für Flüchtlinge zu einer „Asylfalle“ geworden. Dies erklärte Herbert Leuninger, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge PRO ASYL nach einem Besuch der 36 Flüchtlinge, die im Gebäude C 183 in einen Hungerstreik getreten sind.

Diese Menschen lebten in einem unvorstellbaren Psychostreß mit der ständigen Angst, in ihr Verfolgerland abgeschoben zu werden. Die hermetische Abriegelung des Gebäudes durch den Bundesgrenzschutz, die Begleitung von Rechtsanwälten und ihren Mandanten durch BGS-Beamte, der ganze Wagenpark gepanzerter und sonstiger Mannschaftswagen vor dem Gebäude die Hektik des Verfahrens und die mehr als unfreundliche Behandlung belasteten die Flüchtlinge in unerträglicher Weise. ‚Wegen der subjektiven Bedrohungslage ist ein rechtsstaatlich faires Verfahren auf dem Flughafen nicht mehr gewährleistet‘, erklärte Herbert Leuninger. Panische Ängste und eine damit verbundene Desorientierung machten eine normale Befragung im Rahmen der Anhörung unmöglich. PRO ASYL fordert daher eine sofortige Unterbringung der Flüchtlinge außerhalb des Flughafenbereiches.

Es folgt der Wortlaut der 2. Solidaritätsadresse, die PRO ASYL-Sprecher Herbert Leuninger an die Flüchtlinge auf dem Flughafen gerichtet hat:

„Sie haben mit Ihrem Hungerstreik bereits ein wichtiges Ziel erreicht. Die deutsche Öffentlichkeit ist auf Ihr Schicksal aufmerksam geworden. Viele Menschen sind mit Ihnen solidarisch und wünschen lhnen den notwendigen Erfolg: nämlich ein Asylverfahren ohne Internierung, in dem Sie die Möglichkeit haben, sich in Ruhe mit einem Rechtsanwalt auf Ihr Interview vorzubereiten. Beim Interview sollten Sie Ihre Gründe ausführlich darlegen können, warum Sie geflüchtet sind. Auch sollten Sie erklären können, weiche Gefahr für Leib und Leben droht, wenn Sie in Ihr Heimatland zurückgeschickt werden sollten.“

Ein Hungerstreik ist das letzte politische Mittel, das Ihnen zur Verfügung steht. Sie sollten es so einsetzen, daß nicht Ihr Tod, sondern Ihre Rettung am Ende steht. Daher bitten wir Sie als Freunde darum, unbedingt Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Auch sollten Sie sich täglich ärztlich gründlich untersuchen lassen. Treffen Sie überdies keine Entscheidung über Ihr Asylverfahren, ohne sich vorher beraten zu lassen! Die Gerichte brauchen Zeit und wir alle brauchen Geduld und Hoffnung!“


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